Personzentrierte Beratung (GwG) & Paartherapie
Jennifer Angersbach

Wie entschuldige ich mich richtig?

Selbstliebe

Es tut mir leid. 

Im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur im Sinne von: „Es tut mir Leid an, Dich verletzt zu haben!“ sondern auch „Es tut mir Leid an, mir einzugestehen, dass ich einen Fehler gemacht habe, weil ich Angst habe, dass Du mich nicht mehr magst.“

Sich zu ent-schuldigen ist kein schönes Gefühl. Neben der Scham des ‚sich schuldig fühlens‘, muss man zunächst sich selbst eingestehen, dass man nicht ‚perfekt‘ ist, das man ‚Fehler hat‘ und ‚Fehler‘ macht. Fehler sind eine Schwachstelle, stehen für Schwäche. Und klar, man darf auch schwach sein. Die Betonung liegt auf ‚man‘. 

„Ich darf nicht schwach sein, denn dann verliere ich an Anerkennung, dann muss ich mein wahres Gesicht zeigen und das versuche ich doch so gut es geht zu vermeiden, weil ich mich selbst ablehne!“

Und sich das einzugestehen ist schon schwer genug, das jedoch vor Anderen einzugestehen ist umso schwerer. Daher versuchen wir, selbst wenn wir wissen, dass wir Schuld sind, diese Schuld zu relativieren:

„Es tut mir leid, aber ich wusste auch nicht, dass Dich das so verletzt. Ich meine, es ist ja jetzt wirklich kein Ding. Ich hab mich doch gerade entschuldigt, was willst Du denn noch? Ich kann es doch nicht ungeschehen machen.“

Das ist frustrierend für den der leidet. Es macht alles noch schlimmer. Es fühlt sich so an, als sei die Entschuldigung nicht ernst gemeint. 

Die Entschuldigung kann allerdings sehr wohl ernst gemeint sein, je größer der Scham, desto größer die Relativierung. 
Oder aber, derjenige der sich entschuldigt, der möchte diese Scham nicht spüren und meint die Entschuldigung in der Tat nicht ernst, weil er/sie sich eingestehen müsste, dass er/sie nicht perfekt ist... und diese Sorge ist für manche so existenziell, dass es fast unmöglich ist, weil er oder sie Dich nicht verlieren möchte.

Ein Beispiel: Manu & Sonja

„Musste das gestern sein?“, fragt Manu ihre Freundin erbost, als die zwei wie üblich zusammen ihre morgendliche Hunderunde drehen.

„Was meinst Du?“, fragt Sonja irritiert.

„Gestern mit Olaf!“, es verletzt sie nur noch mehr, dass Sonja nichtmal auf dem Schirm hat, wie sie sie vor ihrem neuen Freund bloßgestellt hat.

„Du hast doch gesagt, ich soll noch auf ein Bier bleiben?!“, Sonja versteht noch immer nicht.

Manu verstellt ihre Stimme und äfft Sonja in einem hohen, flötenden Ton nach: „Wie schön Dich kennenzulernen, Olaf! Manu redet ohnehin von nichts Anderem, endlich gibts n Bild dazu!“

Sonja bekommt direkt ein schlechtes Gewissen, sie weiß jetzt ganz genau, was Manu meint und sagt voller Reue: „Das tut mir leid, aber so schlimm wars doch nicht, es hat ihm doch geschmeichelt.“

„Ja, genau, mann! Und wie viele Männer haben sich im letzten Jahr plötzlich nicht mehr gemeldet, weil ich vermeintlich zu viel wollte, sie sich eingeengt fühlten oder sich zu sicher waren?“

Sonjas schlechte Gewissen wir nun doch größer, sie fühlt sich unwohl und möchte irgendwas hilfreiches sagen, irgendwas Nettes, sich erklären um zu signalisieren, dass es keine Absicht war: „Olaf ist doch nicht so Einer. Das hast Du selbst gesagt... und ich habe einfach nicht nachgedacht, dass war keine Absicht.“

Manu schweigt, und weist wütend ihren Hund zurecht, der gerade irgendwas in der Wiese frisst. 

Sonja zuckt über diesen harschen Ton zusammen, sie weiß die Wut gilt ihr, das findet sie ungerecht, immerhin hat sie sich entschuldigt und es war ja keine Absicht, sie fügt daher hinzu: „Manu, ernsthaft, sooo schlimm war das doch auch nicht, ihr hattet doch noch nen schönen Abend, oder nicht?“

„Boah Sonja! Darum geht es doch gar nicht!!!!“

Worum denn dann?

Diese Frage stellt sich Einigen vielleicht. Vielleicht sogar Manu oder Sonja. Vielleicht Dir. Daher im Folgenden einmal die Perspektive Manus und die Perspektive von Sonja.

Paartherapie

Aus Manus Sicht: 
Manu hat bisher oft die Erfahrung gemacht, dass sie scheinbar zu viel verlangt, zu viel liebt, zu viel braucht und vielleicht einfach zu viel ist. Auf diese Thematik bin ich hier schon öfter mal eingegangen. #DasSelbstliebeDilemma 

Ja, vielleicht kompensiert sie. Vielleicht hatte sie einfach Pech bei den Männern. Vielleicht erklärt ihr Muster, dass sie ‚immer an den Falschen‘ gerät. Vielleicht hat sie gelernt, dass Liebe unberechnbar und unsicher ist. Ganz bestimmt ist es ein Zusammenspiel aus verschiedenen Erfahrungen. 

Als Sonja, extrovertiert wie man sie kennt, dann den Spruch raushaut, hält Manu kurz die Luft an. Denn genau das, wollte die diesmal vermeiden. Nicht so oft schreiben. Ihm nicht das Gefühl geben, wie sehr sie ihn mag, aus Angst, dass er dann das Interesse verliert. 

Diese Angst kann man verstehen, oder auch nicht. Letzteres bedeutet aber in keinem Fall, dass die Angst nicht da ist!

Sonja allerdings spielt das runter, tut so, als übertreibe Manu und wieder löst das in Manu genau das verzweifelte Gefühl von: „Ich bin nicht richtig!“ aus.

Aus Sonjas Sicht:
Sonja ist gar nicht so extrovertiert wie alle glauben und wie es scheint. Das ist nur ihre Art, ihre Unsicherheit, Bedürftigkeit und den Wunsch nach Anerkennung zu überspielen. Früher war sie leise, schüchtern, brav, angepasst. Und das wurde ausgenutzt. Daher hat sie sich von dem Mädchen namens Sonja abgewandt. Sie verurteilt ihre Schwäche, also darf diese auch nicht da sein. 

Sonja hat Angst etwas falsch zu machen, denn das könnte ja dazu führen, dass sie nicht mehr ‚gemocht‘ wird. 

Ja, ihr ist klar, ihr Verhalten war, aus Manus Sicht, nicht korrekt. Dennoch fällt es ihr so unheimlich schwer diesen Fehler einzugestehen. Wenn sie das tun würde, so glaubt sie, mag Manu sie nicht mehr. 

Dabei ist das Gegenteil der Fall. Manu würde sich verstanden fühlen, würde es ihrer Freundin sogar hoch anrechnen, wenn sie ihr Recht geben und sie verstehen würde. Manu würde sich nicht mehr falsch fühlen. Und Sonja würde merken, dass gar nichts Schlimmes passiert, wenn sie mal einen Fehler macht, sofern sie diese Schwäche zulässt.

Ein Dilemma. Das Selbstliebe Dilemma.

Also, wie geht denn nun das "sich richtig entschuldigen"?

Die 6 Komponenten einer Entschuldigung

Selbstliebe Podcast

1. Ich übernehme die Verantwortung für mein Verhalten

Statt: 
„Es tut mir leid, aber mir ging es da auch nicht gut.“
„Es tut mir leid, aber ich hatte da ja auch was getrunken.“
„Es tut mir leid, aber Du bist ja auch echt empfindlich.“

Besser: „Es tut mir leid, das war wirklich nicht richtig!“

2. Ich rede mein verletzendes Verhalten nicht klein.

„So schlimm ist das ja jetzt auch nicht gewesen!“
„Ach komm, DAS hat Dich verletzt?!“
„Ich hab doch NUR...“

„Ich merke wie weh ich Dir damit getan habe!“

3. Ich nehme die die durch mich ausgelösten Gefühle und Auswirkungen ernst und erkenne sie an.

Statt:
„Jetzt beruhig Dich doch mal!“
„Es ist echt anstrengend auf Deine Befindlichkeiten zu achten!“
„Du übertreibst!“

Lieber:  
„Ich kann verstehen, dass ich Dich dadurch enttäuscht habe!“

4. Ich entschuldige mich ohne wenn und aber...

(Das Wort aber leitet immer eine Relativierung ein... und fühlt sich auch so an.)

Statt:
„Es tut mir leid, aber...“
„Wenn Du nicht, dann hätte ich jar gar nicht erst...“

Lieber:
„Es tut mir leid und...“

5. Ich stelle nicht meine Intention in den Vordergrund, (sondern die Auswirkungen...)

Statt:
„Das war ja keine Absicht...“
„So war es nicht gemeint, ich wollte...“
„Es war ein Versehen...“ 

Lieber:
„Oh nein, Du bist richtig wütend und verletzt.“

6. Ich versuche darauf zu achten, dass es nicht nochmal vorkommt und ändere mein Verhalten.

Statt:
„Du bist so nachtragend, was hat denn die Geschichte mit der Mayo jetzt hiermit zu tun!“
„Du weißt doch wie ich bin, ich vergesse halt viele Dinge!“

Lieber:
„Ach Mist, ja, Du hast Recht und das ist mir schon mal passiert, ich muss da wirklich dran arbeiten.“

Hier der Link zum Radiobeitrag auf Antenne Unna


 
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