Paartherapie & Personzentrierte Beratung (GwG) 
Jennifer Angersbach

Das Wir-Gefühl

„Ich hab den Job! Allerdings muss ich tatsächlich jede 2. Woche für 3 Tage nach München.“, kommt Thomas freudestrahlend nach Hause.

„Nicht Dein Ernst?“, entgeistert schaut Marina ihn an.

„Das ich nicht vollständig ins Homeoffice kann war doch klar!“, erklärt Thomas ihr. „Außerdem bin ich dann doch in Summe viel mehr Zuhause und kann Dich unterstützen.“

Der letzte Satz war besänftigend gemeint, erzeugt bei Marina jedoch das Gegenteil.

„Klar, weil ich ja auch voll überfordert bin! Danke! Danke, dass Du mich unterstützt bei meinem Haushalt und meinen Kindern.“, sagt sie sarkastisch.

„Ey. Was soll das denn jetzt? Ich... ach egal. Ich sag den Job ab, mit der Begründung meine Frau erlaubt‘s mir nicht.“, Thomas ist irritiert und wütend.

„Als würdest Du den Job absagen!“, ruft Marina Thomas hinterher, der gerade in die Küche verschwindet.

Thomas geht zurück, schaut sie an, ihr Blick ist feindselig.

„Würdest Du das wirklich wollen?“, fragt er ernst.

„Du hättest ja wenigstens erstmal mit mir Rücksprache halten können.“, erwidert Marina.

„Ich hol die Kinder ab.“, sagt Thomas nur, bevor er sich seine Jacke schnappt und geht.

Als die Tür ins Schloss fällt, lässt die Anspannung nach, Marina sackt enttäuscht in sich zusammen. Sie widmet sich wieder der Wäsche, plötzlich kommen ihr die Tränen.

Was ist bloß passiert?

Mein Name ist Jennifer Angersbach, ich bin personzentrierte Beraterin und Paartherapeutin. So wie Marina und Thomas geht es vielen Paaren die zu mir in die Praxis kommen, mal weniger stark, mal stärker ausgesprägt, aber eines haben alle gemeinsam: Es fühlt sich nicht mehr wie ein Miteinander an, eher wie ein Gegeneinander, ein Kampf, teilweise ein Machtkampf.

Warum? Ich erkläre es gerne hier am Beispiel von Marina und Thomas:

Marina kann sich nichtmal mehr für Thomas freuen, die Verletzungen und Enttäuschungen der vergangenen Jahre sitzen zu tief.

Thomas hat ihr oft sehr weh getan, indem er ihre Themen runtergespielt hat, sich in den Vordergrund gestellt hat, ihr das Gefühl gegeben hat, sie will zu viel, sie sei zu viel. Zu anstrengend. Zu hysterisch. Zu schwach. Zu bedürftig.

Er war nicht da, als Marina unmittelbar nach der Geburt Panikattacken bekam. Sie stand da im Flur, mit ihrem Luke auf dem Arm und hatte Angst sich zu bewegen, glaubte in der Wohnung sei Jemand, der ihr und Luke was antun wolle, sie weinte Luke schrie. Thomas spielte es runter: Die Hormone.

Und da fing es langsam und schleichend an. Marina wollte ihm nichts mehr von ihren „Schwächen“ erzählen, aus Angst vor Ablehnung, Unverständnis.
Wenn er sich jedoch das Recht rausnahm „schwach zu sein“, fühlte es sich so verdammt ungerecht an.

Als ihr ein neuer Job, noch während der Elternzeit angeboten wurde, reagierte Thomas so, als sei das ja leider keine Option, weil ja Jemand bei Luke bleiben musste. Marina war so enttäuscht, aber zu erschöpft und verletzt, als das sie nen Streit hätte starten können. Sie lehnte den Job ab.

Das (und noch viel mehr) ist nun gut 2 Jahre her. Mittlerweile herrscht zu Hause eine angespannte Stimmung. Der Umgang ist eigentlich respektvoll. Nähe gibt es kaum noch, aber das scheint beide nicht zu stören. Nur in solchen Momenten, in denen einer der beiden sich besonders freut oder besonders schwach ist, da eskaliert es.

Ersteres hat er/sie nicht verdient und zweiteres wäre ICH auch gerne mal!

Sie spielen Gegeneinander in einem Team und verlieren permanent.


Es passiert oft schleichend. Grund sind eigene Themen und äußere Einflüsse. Kleine Enttäuschungen hinterlassen Wunden. Missverständnisse im eh schon stressigen Alltag, werden nicht aufgeklärt. Wir resignieren, sind enttäuscht, verletzt und teilweise trotzig. Fangen an den Partner und sein Verhalten abzuwerten, versuchen nicht mehr uns zu erklären, wollen keine Schwäche zeigen, um uns vor neuen Enttäuschungen zu schützen.

Wir werden nicht gesehen, weil wir und nicht zeigen.
Wir werden nicht gehört, weil wir nichts sagen.
Wir werden nicht verstanden, weil wir uns nicht erklären.


Und wenn wir es dann doch tun, und uns dann niemand sieht, hört und versteht, fühlen wir uns bestätigt.

Aus Wir wird ein Du & ich. Werden Gegner. Wer zuerst blinzelt hat verloren.


1. Redet miteinander und haltet euch aus!
...ihr könnt noch so tolle Bücher lesen, Beziehungskurse online buchen, meine Posts lesen oder den Podcast hören. All das bringt herzlich wenig, wenn ihr in der Phase angekommen seid, in der Thomas & Marina sind.
Um die Basis (Vertrauen, Sicherheit, Liebe) wieder herzustellen, ist es wichtig, den Schutz erstmal abzulegen. Das gelingt vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, mein/e Partner/in versteht, was er/sie mir angetan hat, hält es aus, nimmt mich ernst, sieht mich und lehnt mich nicht ab.
Das ist alleine wahnsinnig schwierig, selbst in der Paartherapie eine große Herausforderung, es gelingt dort besser und eher, weil ich zu Beginn für das Gefühl sorge, Verstanden, gesehen und gehört zu werden und allein dadurch werden wir sanfter.


2. Psychohygiene vs. Refugium

Eure Beziehung sollte ein Ort der Ruhe sein, ein Refugium. Wenn dort ständig und immer der Alltagsstress durch Arbeit und externe Konflikte abgeladen wird, leidet auch die Beziehung. Plant eine Meckerstunde für die Psychohygiene ein oder nehmt euch jeder für sich kurz Zeit zum Ankommen und durchatmen. Sonst lauft ihr Gefahr euren Frust auch zu übertragen.⠀


3. Bildet eine Einheit,
unter Freunden, in der „Schwieger“-Familie und vor euren Kindern. Signalisiert ganz klar: Ihr als Paar gehört zusammen.

  • Nach der Meinung des Anderen fragen
  • Kleine Aufmerksamkeiten / Nähe 
  • Zugewandt sein
  • Absprachen treffen

4. Planung und Kommunikation

Redet über eure Aufgaben und Termine und versucht einander zu helfen und zu unterstützen. Haltet einander in stressigen Phasen den Rücken frei und bittet um Hilfe mit konkreten (!) Formulierungen. ⠀Je nachdem wie fortgeschritten das „Gegeneinander“, werten wir die Bedürftigkeit des Anderen ab.
Manchmal tun wir das auch einfach, weil wir uns selbst nicht erlauben bedürftig zu sein und werden dann wütend, wenn jemand uns , als wäre es selbstverständlich (!), um Hilfe bittet.
Außerdem, fällt es dann umso   schwerer um Unterstützung zu bitten, Dein Partner kann jedoch keine Gedanken lesen und kann Deine Not nur sehen, wenn Du sie ihm zeigst!


5. Eltern und Liebespaar

Als Eltern habt ihr plötzlich eine ganz neue, gemeinsame Verantwortung. Macht euch - unabhängig von der Aufgabenverteilung - bewusst, dass die Erziehung in beiden Händen liegt. Auch bei der klassischen Rollenverteilung haben BEIDE den ganzen Tag gearbeitet, mit Kind haben BEIDE nie so wirklich ‚Feierabend‘. Plant so weit möglich: Zweisamkeit & Familienzeit ein. Ihr seid euren Kindern ein Vorbild in der wichtigsten Sache der Welt: Der Liebe!




 
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