Paartherapie & Personzentrierte Beratung (GwG) 
Jennifer Angersbach

Warum verliebe ich mich nicht?

„Und? Wie wars?“, fragt Tanja aufgeregt.

Marie presst die Lippen aufeinander und zuckt mit den Schultern: „Ich glaube es war gut. Also ja, es war schön. Ich bin jetzt nicht Feuer und Flamme, aber… also es war wirklich lustig und die Dinge die er gesagt hat waren voll sympathisch und er sieht noch dazu gut aus…“

Tanja legt ihren Kopf schief und muss sich das Lachen verkneifen. „Marie, erstes Date, ne?! Was hattest Du denn erwartet?“

„Ich, na ja, er wohnt gut ne Stunde entfernt und er ist halt nicht sonderlich groß und irgendwie, also ja witzig, aber jetzt auch nicht sonderlich charmant…“, Marie hält inne, bevor sie plötzlich anfängt zu weinen.

Tanja erschrickt: „Was ist denn passiert? Was ist denn los… Marie… was?“

Marie muss lachen über Tanjas Reaktion, oder vielleicht auch um runterzuspielen, wie sie sich fühlt. „Ich habe einfach Angst vor mir selbst, versuche ich ihn schlecht zu reden, weil ich Angst habe verletzt zu werden? Oder ist er schlecht und ich bin verzweifelt? Warum hab ich mich früher viel schneller verliebt? Ich…“

Was macht dieser Dialog mit Dir?

Kommt Dir das bekannt vor? Du schreibst mit Jemandem, triffst Dich mit Jemanden aber so richtig funkt es nicht, obwohl er/sie durchaus Partnerpotential hätte?

Keine Sorge, vielleicht passt ihr biochemisch nicht zusammen, vielleicht war er/sie zu wenig an Dir interessiert? Vielleicht war er/sie zu unaufmerksam? Vielleicht hat es einfach nicht gefunkt, weil es keine Anziehung gab.

Aber vielleicht steckt doch noch etwas anderes dahinter... und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Unsere Psyche funktioniert hervorragend, das merken wir meist daran, dass wir uns über uns selbst, unsere Gefühle oder Gedanken ärgern. Klingt komisch, ist aber so. Wir ärgern uns über Ängste, darüber uns selbst im Weg zu stehen oder über Eigenschaften, von denen wir glauben, das andere sie abwerten. Doch eigentlich steckt hinter all diesen Dingen eine ganz wichtige Schutzfunktion. 

1. Angst vor Verletzungen

Wenn ich oft und wiederkehrend verletzt wurde, dann wächst irgendwann die Angst in mir vor neuen Verletzungen. Wie kann ich vorbeugen, dass ich nicht mehr verletzt werde? Klar, ich gehe keine verbindliche und nahe Beziehung mehr ein. Da Du aber ja gerne wieder in einer Beziehung wärst und Dich ja offenbar fragst, warum Du Dich nicht mehr verliebst, gilt es hier einen Trick anzuwenden, Du schraubst Deine Ansprüche bis ins Unermessliche (jemand der diesen Ansprüchen entspricht, der würde Dir nicht weh tun). Und schon bei der kleinsten Abweichung, fühlst Du Dich bestätigt das er oder sie auch nicht besser ist als die Anderen. 

Diese hohen Ansprüche sollen wie eine Garantie dienen, eine Garantie dafür, nicht mehr verletzt zu werden.

In einer Partnerschaft beobachte ich die Angst vor Verletzungen auch recht häufig, wenn man jahrelang verletzt wurde (warum auch immer) fängt man an sich vom anderen zu distanzieren. Man kann ihm damit die Macht nehmen. Aus: "Ich liebe Dich und mir ist es so wichtig, wie Du über mich denkst, daher tut es so weh, wenn Du mich ablehnst." Wird: "Du bist mir egal, was Du denkst ist egal, Du kannst mir nicht mehr weh tun!"

Man wehrt sich also gegen die eigenen Gefühle der Zuwendung, so lange, bis man sie kaum mehr spürt und eine so große Distanz erschaffen wurde, eine Mauer, ein Elfenbeinturm. In der Paartherapie ist es möglich, die Steine der Mauer langsam und behutsam im Beisein des Partners oder der Partnerin zu entfernen und so die Nähe wieder herzustellen, doch wie ist das wenn sich meine Angst vor Verletzungen generalisiert hat? Wenn sie sich nicht mehr nur auf meinen Partner oder meine Partnerin bezieht, sondern auf die Menschen im Allgemeinen? 

Dann gilt es genau diese Generalisierung zu verstehen, mache Dir bewusst wie oft und wie sehr Dich Menschen verletzt haben und schenke Dir den Trost und die Zuwendung, der Du bedurftest, die es aber offenbar nie gab. Ein "Sich dessen bewusst werden" ist schon ein verdammt großer Schritt hin zur Akzeptanz und Veränderung. Du bist nicht gefühlskalt, Du beschützt Dich.

2. Mangel an Selbstwert / Selbstliebe

Bist Du gerade unzufrieden mit Dir selbst? Oder bist Du das gar länger schon? Fühlst Du Dich wohl in Deiner Haut? Mit Deinem Sein? Deiner Persönlichkeit? Oder hinterfragst Du Dich selbst schon Dein Leben lang? Waren Deine Selbstzweifel schon immer da?

Egal ob durch eine vorangegangene Verletzung, einen Betrug innerhalb der letzten Beziehung oder ob Du eigentlich schon Dein Leben lang an Dir zweifelst, vermutlich sehnst Du Dich nicht nur nach jemandem, der Dich liebt, sondern auch nach jemandem der Deinen Wert steigert. Wenn Du auf der nächsten Familienfeier mit dem großen, gutaussehendem Geschäftsführer aufläufst, dann wertet Deine Familie Dich vielleicht nicht mehr so sehr ab, wie wenn Du mit dem ungepflegten Langzeitstudenten aufläufst. Autsch. Bist Du gerade selber erschrocken darüber, wie fies das klingt? Oder fühlst Du Dich sehr verstanden? Eigentlich versuchst Du nur Dich selbst zu beschützen und der Wunsch, dass da jemand ist der aufgrund seines Seins Deine Defizite ausgleicht, der klingt zunächst nachvollziehbar und einleuchtend. 

Und das erklärt vielleicht auch, warum Du so oberflächlich bist. Vielleicht willst Du es unbewusst auch Deiner Ex oder Deinem Ex beweisen. FreundInnen sollen Dich beneiden? Oder Deine Familie soll mal richtig blöd aus der Wäsche gucken. Hierfür bedarf es in jedem Fall einem Menschen der oberflächlich auffällt. Da reicht eine tolle Persönlichkeit einfach nicht aus. Da muss schon Prestige, Aussehen und Status her. Und so swipest Du bei Tinder alle Menschen zur Seite die keinen tollen Beruf oder eine großartige Optik zu bieten haben und wunderst Dich, warum Du Dich nicht verliebst... 

Was kannst Du tun?

Überlege Dir mal genau, welche Eigenschaften Dir wichtig sind und warum Du Dich aktuell nach einer Beziehung sehnst? Dient es in der Tat Deinem Bedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit? Oder soll es dazu dienen, es irgendwem zu beweisen? Möchtest Du Deinen Mangel an Selbstwert ausgleichen?

Nein, ich sage nicht, Du musst Dich selbst lieben, bevor es Andere tun oder bevor Du andere lieben kannst, ganz und gar nicht. Du bist liebenswert auch wenn Du Dich selbst nicht liebst! 

Aber geht es Dir gerade wirklich darum Dich auf einen neuen Menschen einzulassen, jemanden kennenzulernen, Dich fallen zu lassen und einander gegenseitig zu zähmen? Falls ja, dann besinne Dich genau da drauf: Liebe bedeutet Akzeptanz. Wie willst Du jemanden kennen, akzeptieren und lieben lernen, wenn er / sie bereits als durchgefallen gilt, weil ihr oder sein Job nicht toll klingt?

3. Die Angst vor dem Kontrollverlust

Wie oft hast Du Dich in Deinem Leben und auch in Beziehungen ausgeliefert gefühlt, abhängig, hattest das Gefühl, keine Wahl zu haben, nichts tun zu können, auf die Gunst des Anderen angewiesen zu sein?

Ich persönlich kenne das Gefühl relativ gut. Und es fühlt sich scheiße an. Oft ist uns das Gefühl (unbewusst) aus jüngeren Jahren sehr bekannt, das macht es jedoch nicht besser. Dieses Gefühl, keinen Einfluss auf die Reaktionen anderer zu haben. Aus Versehen kippt ein Glas um, Mama oder Papa rasten vollkommen aus. Da warst Du dann ausgeliefert, es war ein Versehen, dennoch wurde vielleicht mit Dir geschimpft und Du dachtest: Ich muss besser aufpassen! Erstmal kein Problem, macht ja auch Sinn am Tisch nicht rumzutoben. Aber selbst wenn Du nichts gemacht hast, hast Du vielleicht Ärger bekommen und warst hilflos. Hast einfach nicht verstanden, was Du jetzt falsch gemacht hast. Um dann langfristig seltener Ärger zu bekommen, hast Du angefangen zu versuchen die Gedanken zu lesen, die Stimmung. Hast Dir gemerkt, was Mama und Papa gefällt und das Verhalten öfter gezeigt. Vollkommen natürlich. Manchmal nimmt das jedoch über Hand, wenn Du nämlich unverhältnismäßig oft Ablehnung erfährst, die oft eher etwas mit dem Anderen, als mit Dir zu tun hat. Irgendwann ist es keine bewusste Entscheidung mehr für ein verhalten, sondern eine unbewusste Macht, die dich dazu zwingt, erst an alle Anderen zu denken. Es ist diese Sehnsucht nach Sicherheit, die sich in Form von Kontrolle zeigst, Du versuchst Dich selbst zu kontrollieren und an jemand anderen anzupassen, um Dich ja sicher zu fühlen.

In einer Beziehung, versuchst Du dann es ihm oder ihr recht zu machen, ohne zu reflektieren, was Du eigentlich willst. Dementsprechend unsicher und aufregend ist die Kennenlernphase. Hattest Du in Deiner letzten Beziehung das Gefühl, Du hast Dich so sehr angestrengt, aber dennoch nicht gereicht tut das nicht nur weh, es löst auch eine Angst aus. Die Angst davor, wieder nicht zu reichen und die Gefahr bei jemand Neuem, den Du nicht kennst und bei dem Du nicht weißt, was er oder sie von Dir erwartet, ist entsprechen groß, größer als zuvor. 

Was kannst Du tun?

Versuche zunächst Dir selbst die Sicherheit zu geben, die Du benötigst, mache Dir bewusst, dass Du ja jetzt gerade auch klar kommst, ohne jemanden an Deiner Seite. Denn bisher hattest Du immer so große Angst den Anderen zu verlieren und hast dabei Dich selbst verloren. Mache Dich zur Aufgabe, lerne Dich kennen, was gefällt Dir eigentlich? Was brauchst Du? Wie sieht eine perfekte Beziehung für Dich aus? Kompromisse kann man immer noch machen und sich ein wenig anpassen schadet auch nicht, aber ihn zu wissen was Du willst, läufst Du Gefahr Dich nie zu finden.

4. Die Prävention des Kontrollverlustes

Klingt viel besser als Die Angst vor dem Kontrollverlust, oder?  Gründe/Ursachen sind identisch, hier nun aber mit einem kleinen Knoten:

Du willst kein Risiko eingehen und erschaffst daher eine Illusion und gleichzeitig einen konkreten Plan, weicht er/sie zu sehr ab, ist er oder sie ja offensichtlich nicht der oder die Richtige. Wie klug, oder? Du erschaffst keine Illusion von Dir, sondern bleibst voll bei Dir, gut Du übertreibst hier und da und drehst den Spieß um. Du verlangst Perfektion, die Dir niemand geben kann und wenn Du sie nicht bekommst, dann lag/liegt es wohl an ihm.

Nein, ich möchte sich nicht propagieren, dass Du Deine Ansprüche zurücksetzen solltest. Hohe Ansprüche sind wichtig und gut. Wann sie zu hoch sind, keine Ahnung. Vermutlich dann, wenn Du das Gefühl hast, darunter zu leiden. 

Was kannst Du tun?

Mache Dir mal Gedanken über ehemalige Beziehungen, denke an FreundInnen, wie viel hast du da akzeptiert, wie viel akzeptierst Du nun? Wurdest Du vielleicht gar betrogen und möchtest Dich nun absichern? Muss Deine neue Partnerin / Dein neuer Partner sozusagen die Fehler des/der Ex ausgleichen? Wäre es wirklich so schlimm, wenn er oder sie nicht exakt Deiner definierten Wunschgröße entspricht? Oder wenn er / sie jetzt keinen Hund besitzt? Oder sich nicht voll und ganz für Deinen Job interessiert? usw.

Wir haben Manchmal aufgrund unserer Ängste und Erfahrungen, deutlich höhere Ansprüche an neue Menschen, an Fremde, an unseren Partner oder unsere Partnerin als an FreundInnen. Geschuldet, klar, auch dem Onlinedating, der riesigen Auswahl, dem vermeintlich, besserem Gewinn, beim nächsten Match. Spiel Tinder 1 oder auch 3 mal durch, manchmal hilft nur Konfrontation. Alles okay, aber wenn Du nun an einem Punkt bist, an dem Du selbst darunter leidest, versuche mal zu reflektieren, was Dir wirklich wichtig ist. Welche Basic-Eissorte, sollte Deine Schlemmertüte enthalten. Auf Krokant, Soße, Früchte und Co. kannst Du vielleicht verzichten oder es ist Dir auch eigentlich egal, denn wer weiß, welches Topping der neue Mensch noch zu bieten hat. 

Und reflektieren nochmal deine Angst, deinen Wunsch nach Kontrolle durch Illusionen und Pläne. Siehe letzten Punkt.

5. Du legst den Fokus zu sehr darauf, dass sich jemand in Dich verliebt, anstatt Dich zu verlieben.

Beim Dating geht es ja ums Balzen: Damit Menschen sich in Dich verlieben, bedarf es ein wenig Interesse Deinerseits, ein bisschen Charme und Anerkennung, Aufmerksamkeit und durchaus auch einer gewissen Aufregung und Unsicherheit, nicht durchs rar machen, aber durchaus um zu signalisieren: Ich bin anspruchsvoll und nehme nicht Jeden / nicht Jede.

Das wünscht Du Dir auch für Dich, jeder Mensch hat diese Bedürfnisse (auch die nach der oben genannten Wertsteigerung oder nach Sicherheit - das Maß bzw. der Druck dahinter ist ebtscheidend.)

So. Da ist jetzt Jemand. Du gibst Dir besonders viel Mühe, interessierst Dich für ihn/sie, bist charmant, hörst zu und informierst Dich vorab über seine/ihre Musik, oder was auch immer. Er/sie findet Dich zauberhaft… doch irgendwie funkt es bei Dir nicht.

Er hebt hervor, wie toll er / sie Deinen Musikgeschmack findet (ist gar nicht Deiner), wie toll dass Du Dich für seinen / ihren Bürojob interessierst (tust Du gar nicht) und wie charmant Du bist (dabei hast Du Dich schon bei der ersten Nachricht voll anstrengen müssen, etwas Positives auf sein / ihr Profil zu antworten!).

Du gehst nach dem 1. Date nach Hause und denkst: Hm! Er / sie scheint Feuer und Flamme. Du jedoch so gar nicht.

Klar, denn sein/ihr Interesse, seine Anerkennung beruhte auf Dingen, die nichts mit Dir zu tun haben.

Wenn Du Dich nicht zeigst und gibst, wie Du bist, dann fühlt sich die Anerkennung dafür auch nicht echt an. Die Ablehnung paradoxerweise schon. Aber das ist ein Anderes Thema.

Wie willst Du Dich in jemanden verlieben, der Dir das, was es braucht nicht geben kann, weil Du Dich nicht zeigst und gibst wie Du bist?

Was tun?

Am besten eben nichts tun. Sondern sein.


6. Es soll jetzt endlich mal um Dich gehen!

Habe ich bereits weiter oben angesprochen: Brauchst Du Jemanden der die Fehler vorangegangener Beziehungen korrigiert? Der Wunsch ist nachvollziehbar, doch statt zu schlussfolgern: "So jetzt geht es mal um mich: Mach!" 

Lieber „Ich gebe nicht mehr Alles und dennoch so viel wie ich kann.“

Du bist nicht ausgeliefert, Du darfst Deine Erfahrungen selber korrigieren.


7. Du hängst noch zu sehr an deiner letzten Partnerschaft

Das spielt natürlich in jedem zuvor genanntem Grund eine Rolle, diese Gründe können durchaus zusammenhängen, tun sie vielleicht auch. Es ist daher gut, sich mit Jedem Grund auseinanderzusetzen. Wenn Du Deine letzte Beziehung nicht verarbeitet hast, nicht losgelassen hast, er oder sie noch immer wie ein Plan B in Deinen Gedanken ist oder gar in Deinem Leben, dann gibt es da offensichtlich noch Aspekte, die Du bisher nicht verstehen und somit nicht akzeptieren konntest. Oder Du verstehst sie, willst sie aber nicht akzeptieren. Weil er oder sie womöglich dieser ganz besondere Mensch war, weil er Dir in einer schwierigen Zeit beigestanden hat, weil dieser Mensch der erste war, den Du geliebt hast, weil dieser Mensch Dich korrigierende Erfahrungen hat sammeln lassen oder euch nach wie vor eure Kinder verbinden.

Hier halten wir gerne an einem Ideal fest, an einer Illusion, wenn ich doch nur, wenn er oder sie doch nur, jetzt, vielleicht, irgendwann... 

Wenn es für Dich auch noch so jemanden gibt, kann das vielleicht erklären, warum Du Dich nicht mehr verliebst - zumindest nicht zuerst.

Und kommen wir nun zurück zu Marie. Warum verliebt sie sich nicht mehr?

8. Die Angst davor die (neu gewonnene) Unabhängigkeit zu verlieren

Vielleicht spielen alle Gründe eine Rolle, allerdings ist dieser 8. Grund ihre größte Sorge, die Angst ihre Unabhängigkeit wieder zu verlieren. Lange fühlte sie sich als kleines Mädchen, dass einer Beziehung bedurfte, um auf dieser Welt so überhaupt klar zu kommen. Sie hatte permanent das Gefühl, ohne einen Mann an ihrer Seite, sei sie verloren.

Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatte und ein Jahr im Ausland war, kehrte sie als neuer Mensch zurück. Dort ging es nur um sie - kein Mann, nichtmal ein Flirt. Sie lernte sich selbst kennen und lieben.

Nun ist sie seit 2 Jahren Single, sie hat sich in der Zeit oft selbst für ihr Verhalten vergangene Tag verachtet. Wie sehr sie sich vorher immer bemüht hat!

Dabei füttert genau diese Abwertung ihre Angst! Die Angst davor wieder so zu werden, sich zu verliebe und wieder so bedürftig und abhängig zu sein…

Sie vermischt hier zwei Aspekte. Einerseits hat sie ja ihr Verhalten geändert, aber scheinbar traut sie sich selbst nicht, denn sie gibt der Beziehung die Schuld daran und sobald sie wieder eine hätte, würde sie ja wieder abhängig werden. Sie ist ins andere extrem gerutscht: Von "Was bin ich schon ohne Mann an meiner Seite" zu "Ich brauche keinen Mann, nur Ballast, Gefahr...".

Voll okay, Marie. Du darfst aber auch gerne die Erfahrungen in Gänze korrigieren, nämlich, dass eine Beziehung nicht zwingen existentielle Abhängigkeit bedeutet, aber freiwillige Abhängigkeit auch gar nicht so unschön ist.

Was kannst Du tun?

Dieses andere Extrem sorgt ja offenbar dafür, dass Du jeden noch so kleinen Wunsch von ihm/ihr als etwas Einengendes empfindest und Dich trotz drei guten Dates plötzlich zurückziehst, nur weil er / sie mit Dir zwei Wochen im Voraus planen wollte.

Beobachte Dich mal ganz genau, wird da gerade wirklich zu viel von Dir verlangt? Fühlst Du Dich dann eingeengt von Dingen, die Du vorher selbst getan hast? Was hast Du Angst zu verlieren? Bist Du frei, Du selbst zu sein oder hast Du Angst die Freiheit zu verlieren?


 
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