Paartherapie, Personzentrierte Beratung & Weiterbildung
zertifiziert durch die GwG e.V. & DGfB 

Die Sehnsucht nach Anerkennung

Die Paartherapeutin

Anerkennung ist sehr eng mit Liebe verknüpft und wird daher auch häufig verwechselt. Viele Menschen, die sich ungeliebt und ungesehen fühlen, streben nach Anerkennung und greifen hier auf diverse Strategien zurück. Die meisten davon, sind leider eher suboptimal, weil sie häufig eine Abwertung von Anderen miteinschließen und so gibt es viele Opfer der mangelnden Selbstliebe, auf dem Weg zur Selbstliebe.

Das Selbstliebe Dilemma befasst sich mit destruktiven und abwertenden Glaubenssätzen: Jemandem zu sagen, er muss sich einfach selbst lieben ist ein verbaler Schlag mitten ins Gesicht, ins Herz. 

Selbstliebe ist nicht einfach und Du musst gar nichts! 

Und jemandem zu suggerieren, ihm oder ihr geht es nicht gut, weil er oder sie sich selbst nicht liebt ist wie jemandem, der seinen Job verloren hat und der nun kaum mehr über die Runden kommt, zu sagen, er müsse halt einfach wieder arbeiten. Das destruktive an dieser Aussage ist, dass der Ratgebende offenbar voraussetzt, auf die Idee sei der andere noch nicht gekommen und falls doch, unterstellt er ihm eine gewissen Selbstschuld, denn immerhin kennt er doch dann die Lösung, warum macht er es nicht einfach. Tja, zurecht könntest Du jetzt sagen, Moment, das kann man doch nicht vergleichen. Klar ist die Aussage doof, aber es liegt ja nicht nur an einem selbst, ob und wann man nen Job bekommt. 

Und dann sage ich, na ja, aber warum fällt es Dir denn so schwer Dich selbst zu lieben, liegt das tatsächlich nur an Dir?

Wann hast Du denn angefangen Dich zu bewerten, Dich zu vergleichen und vielleicht an Dir zu Zweifeln? Als Du mit einem halben Jahr einen zu engen Body anhattest, hast Du Dich eher darüber geärgert, dass der zu eng war, aber Du hast bestimmt nicht auf die nächste Milchmahlzeit verzichtet um selbst schlanker zu werden. Gut, mit nem halben Jahr kennt man den Zusammenhang vermutlich auch noch nicht. Anderes Beispiel, wobei, je älter wir werden desto schwerer wird es Beispiele zu finden, denn es dauert gar nicht so lange, bis wir selbst anfangen uns zu vergleichen, zu bewerten. 

Woher kommt das?

Grundsätzlich sind gewissen Kategorisierungen und Bewertungen total hilfreich und nützlich. So funktioniert eben unser Gehirn. Das Kategorisieren dient der schnelleren Informationsverarbeitung: Vogel, hat Federn, Fliegt. Egal ob Taube, Spatz oder Adler. Werden wir gefragt ob ein Vogel auch Haut hat sind wir kurz irritiert. Ist nämlich ein ungewöhnliches Attribut für die Kategorie Vogel. Die Irritation passiert, weil diese Kategorisierung unseres Gehirns vollautomatisch abläuft. Es werden Chunks gebildet, hier gehen dann auch schonmal kleine Details verloren. Außerdem dienen unsere Bewertungen unserem eigenen Schutz. Ernsthaft, schon wieder der Schutz? Ja, ist in der Tat so: Wir prüfen, teilweise unbewusst, ob jemand oder etwas gefährlich werden könnte, eher angenehm oder unangenehm ist, gut oder schlecht. Wie gesagt, diese Bewertungsprozesse sind meist unbewusst und das Resultat breitet sich dann in Form von entsprechenden Gefühlen ins uns aus. Unsere Bewertungen nutzen wir auch um Handlungen oder Dinge vorher sagen zu können, zum Beispiel nutzen wir unsere Erfahrungen, oder das Wissen Anderer, wenn wir Bewerbungsunterlagen zusammenstellen: Wir hätten gerne den Job und versuchen nun mit Hilfe von Wissen und Erfahrung eine Mappe zusammen zu stellen, mit der wir Erfolg haben werden -  eine Mappe bei der wir dem Anderen unterstellen, dass er /sie sie angenehm findet, positiv. Wir schließen von uns auf Andere. Logisch, an irgendwas oder wem müssen wir uns ja orientieren. Und zu Guter Letzt bewerten wir auch im Nachhinein und schlußfolgern dann gewisse Dinge.

Carl Rogers Zitate

Bei all diesen verschiedenen Funktionen unserer Bewertungen fließen somit verschiedene Aspekte ein: Erinnerungen, Erfahrungen, unsere aktuelle Stimmung, die Beziehung zum Anderen und damit verknüpfte Erwartungen, unser Wissen, unserer Einstellung zum Leben und zu uns selbst. Bei so vielen komplexen und zum Teil unbewussten Aspekten liegt es auf der Hand, dass wir mit unseren Bewertungen nicht immer richtig liegen. Zumindest nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, sobald es nicht mehr dieser banalen Logik folgt: Fliegt, hat Federn ist ein Vogel.  Und selbst da, können wir uns vertun, weil unsere Kategorisierung nicht immer aufgeht. Ein Pinguin hat ja auch Federn, ist auch ein Vogel, aber die wenigsten Exemplare können fliegen.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir achtsam mit unsere Schlussfolgerung aus unseren Bewertungen umgehen. Ein bewusster Filter der Reflexion muss her.

Neue Dinge oder auch Veränderungen sorgen ebenfalls oft für eine Ablehnung, häufig genau deswegen, weil wir eben auf unseren Pool an Erfahrungen, Erinnerungen nicht zurückgreifen können, ist ja neu, anders. Zunächst macht sich also eine Verunsicherung breit, die sorgt für eine eher zurückhaltende oder auch verängstigte Stimmung und wir lehnen erstmal ab. Vollkommen menschliches Verhalten.

So, zurück zum Thema, was hat das alles mit Selbstliebe zu tun?

Wenn Du das Gefühl hast, nicht liebenswert zu sein, dann hast Du vermutlich oft die Erfahrung gemacht, dass Menschen Dich als eine nicht liebenswerte Person behandelt haben. Das können Eltern, Lehrer, Freunde, Kollegen gewesen sein, aber auch einfach das Leben. In der Pubertät hatten alle plötzlich einen Freund. Nur Du nicht. Die logische Konsequenz, Du bist nicht liebenswert. Mangelnde Selbstliebe bedeutet nicht, dass man es nicht wert ist, geliebt zu werden. Mangelnde Selbstliebe bedeutet, dass man es sich selbst nicht wert ist, geliebt zu werden. Dieser kleine Unterschied, diese zwei Worte „sich selbst“ ist deutlich größer, als er zunächst scheint. Wenn Menschen glauben, die Erde sei eine Scheibe, bedeutet das nicht, dass die Erde eine Scheibe ist - egal wie viele Menschen Dich davon überzeugen wollen, daran glauben, wie viele Indizien dafür sprechen, all das ändert nichts daran. Wenn Du glaubst, Du bist nicht liebenswert, bedeutet das nicht, dass Du nicht liebenswert bist - egal wie viele Menschen Dir das Gefühl geben, Dich nicht gut behandeln, egal wie viele Deiner Erfahrungen dafür sprechen, all das ändert nichts daran. 

Selbstliebe

Wenn Du Dich schon am Außen orientieren musst, dann doch wenigstens an ein Außen, dass Dich gut fühlen lässt. 

Du musst Dich weder lieben, noch Dir selbst vertrauen, vielleicht kannst Du mal probieren, auf die Menschen zu vertrauen, die Dich lieben. Ich verstehe auch nicht wie Strom funktioniert, das hält mich nicht davon ab, ihn zu meinem Vorteil zu nutzen.

So einfach ist es nicht. Genau. Daher ja auch dieser Beitrag und all die Anderen. 

Habe ich oft diese Erfahrung gemacht, dann trete ich natürlich auch viel vorsichtiger in Beziehung, ich bin misstrauischer, denn eigentlich weiß, ich ja, dass man mich nicht mag. Ich unterstelle jemand Anderem dann auch viel schneller ablehnendes oder abwertendes Verhalten und schließe aus einer Absage, oder einem „Nicht sofort reagieren“, dass der Andere mich nicht mag, ich nicht wichtig bin. Vielleicht stelle ich das dann sogar zur Verfügung und mache dann die Erfahrung wirklich auf Ablehnung zu stoßen. Doch auf die Idee, dass ich sozusagen durch mein Verhalten aufgrund meiner Selbstzweifel, für Ablehnung gesorgt habe, darauf komme ich nicht. Ich fühle mich einfach nur darin bestätigt, nicht liebenswert zu sein. Korrigierende Erfahrungen bleiben aus.

Grundsätzlich beziehen wir, sehr, sehr viel auf uns. Wir versuchen Blicke zu bewerten, ein gelangweilter Blick während einer Präsentation, die wir halten, kann uns völlig aus der Bahn werfen. Ein Kichern von zwei Menschen während wir vorbeilaufen verunsichert und wir haben direkt den Drang zu überprüfen, ob die Hose auf ist, wir etwas im Gesicht haben und falls wir ne neue Hose tragen, verschwindet diese in jedem Fall direkt im Kleiderschrank und wird nie wieder angezogen. 

Ich könnte noch etliche Beispiele auflisten…

Letztendlich ist es uns ja gar nicht egal, auch wenn wir nach außen gerne so tun, wie andere uns so finden, daher sind wir immer besonders aufmerksam. Das Problem, uns fallen aufgrund unserer Erfahrungen und unserer Einstellung zu uns selbst fast ausschließlich Aspekte auf, die uns in unserem „nicht genug sein“ bestätigen. Diese Selbstzweifel tragen wir alle in verschiedenen Ausprägungen in uns, ganz einfach weil wir das Bedürfnis nach Anerkennung, nach Liebe haben. Und je weniger wir das im Inneren, also von uns selbst bekommen, desto stärker suchen wir im Außen. Dabei vergessen wir, dass das Außen sich ja aus Menschen bildet, die auch alle ihre Themen haben, das Bedürfnis gesehen und anerkannt zu werden.

Inspiriert durch eine Story von Romy Kelm habe ich mir daher die Frage gestellt ob und wie Anerkennung und Liebe zusammengehören. Ich habe recherchiert, was so die Philosophie, die Psychologie und auch die Pädagogik dazu sagt und eigene Erfahrungen (beruflich als Personzentrierte Beraterin / sowie ganz persönliche) reflektiert und hier in diesem Beitrag fasse ich nun alles zusammen. In der Story ging es um so was wie:

„Wow! Du hast abgenommen! Steht Dir!“ und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Abnehmen, Körperbildern, Oberflächlichkeiten.

Für viele Menschen stellt die Frage ob sie abgenommen haben ein Kompliment dar. Allerdings nicht für Alle: Schilddrüsenüberfunktion, Stress, Traurigkeit, Nebenwirkungen der Medikamente, usw. Und selbst die Menschen, die bewusst abgenommen haben und es schön finden, haben das häufig getan, weil sie sich vorher „unwohl“ fühlten oder es vielleicht gar aus gesundheitlicher Sicht notwendig war und ist:

- die Hose passt nicht mehr

- der Sommer steht vor der Tür

- Vergleiche mit Anderen (Medien / Alltag)

- das Date meldet sich nicht mehr

- Luftnot beim Treppensteigen

- Shoppingtour

- Kommentare von Familie, Freunden, Fremden

Oder um es zusammenzufassen: Ich bin nicht gut, so wie ich bin, ich sollte auf Dinge verzichten und Dinge tun, die mir keinen Spaß machen. Jetzt hat man also endlich den inneren Schweinehund überwunden, hat abgenommen, ist stolz und plötzlich erfährt man Anerkennung. 

Was lerne ich?

Ich war nicht gut, so wie ich war und ich darf nicht mehr zunehmen, eher mehr abnehmen und dann werde ich gemocht und erfahre Anerkennung. Doof, wenn die Welt so funktioniert, oder? Wenn wir nicht so geliebt werden, wie wir sind, sondern erst etwas dafür tun müssen. Das Selbstliebe Dilemma? Ganz offensichtlich, denn so bilden sich ganz viele verschiedene leider oft destruktive Verhaltensweisen, von denen Dir sicher viele bekannt vorkommen, entweder weil Du sie bedienst oder / und weil Du Ihnen ausgesetzt bist und warst. Sie alle haben eins gemeinsam: Die Sehnsucht so wie man ist anerkannt, geliebt, gemocht zu werden. 

1. Wir vergleichen

Da ist dieser Account*, der echten gute Beiträge macht, die sind eigentlich von der Optik, dem Inhalt, dem Design genau so gut wie Deine. Du folgst diesem Account gerne und lässt Dich auch gerne inspirieren. Aber dennoch hat dieser Account über 10Tsd Follower*innen!!! Du hingegen stagnierst aktuell bei 735, nein, oh nein, es sind sogar nur 727. Wer ist mir den entfolgt? Was hab ich gestern geposted? Die Story, in der ich mich gezeigt habe. Bestimmt fanden die mich unsympathisch! Du gehst auf den Anderen Account. Stimmt, sie sieht ja auch viel hübscher aus. Sie wirkt so sympathisch. Eigentlich wie eine gute Freundin. Dennoch entfolgst Du ihr. Du willst Dich nicht so fühlen und hattest schon oft das Gefühl, wenn Du ihre 700 Likes unter nem Beitrag gesehen hast, dass es unfair ist. So toll war der Inhalt jetzt ja auch nicht. Ein Zitat und darunter nur ein Satz! Ts. Sie macht es sich ja leicht. 

Und Du machst es Dir so schwer. 

Personzentrierte Beratung

Du bist ungerecht, Dir selbst gegenüber. Du kennst diesen anderen Menschen doch gar nicht. Siehst nur ihren vermeintlichen Erfolg, ihre sympathische und vermeintliche sorgenfreie Story. Dir geht es nicht gut. Du bist frustriert. Entfernst Dich. Zweifelst. Und das vermutlich nicht zum ersten Mal. 

Wie oft hast Du Dich schon klein gefühlt, Dich distanziert? Warst frustriert, weil jemand besser war?

Und wann hat Dich ein Vergleich mal besser fühlen lassen?

Eigentlich in der Hoffnung, besser abzuschneiden... doch leider gibt es Ideale in sämtlichen Bereichen, denen wir nicht das Wasser reichen können. Wir vergessen jedoch all die anderen Umstände und manchmal auch die Konsequenz. 

Wir sehen dann nur das Ergebnis, blenden den Weg dahin vollkommen aus, und fühlen uns schlecht. 

Zusammengefasst, Du erzeugst einen Mangel, sorgst für eine Enttäuschung Deiner Selbst und distanzierst Dich somit von Dir und Deinem Sein und Tun. Im schlimmsten Fall entsteht zunächst ein Frust, dann Verbitterung und vielleicht sogar eine Distanz zu dem Menschen, neben dem Du Dich, im Vergleich kleiner und schlechter fühlst. 


Wie kannst Du also damit aufhören, Dich zu vergleichen?

Selbstliebe lernen

Vergleiche sind eine Art Selbstverletzung. Weil man sich selbst verlässt, von außen draufschaut, einen Mangel erzeugt, der zuvor nicht da war, um dann langfristig zu frustrieren, zu verbittern und zu vereinsamen. Stattdessen überlege Dir bewusst, wie sich Glück und Zufriedenheit anfühlt. 

  • Wann geht es Dir gut? 
  • Was brauchst Du hierfür?
  • Was zeichnet einen guten Menschen aus? 
  • Welche Eigenschaften? 
  • Wo darfst Du noch wachsen?


Wenn Du unbedingt ins Außen gehen willst, überlege, was Andere an Dir beneiden könnten oder frage Dich ohne diesen Umweg, wofür Du Dir dankbar bist.

  • Wende Dich Dir bedingungslos positiv zu, statt von Dir ab. 
  • Dankbarkeit neutralisiert Neid, wofür bist Du Dir dankbar?


2. Ratschläge

Was macht der folgende Dialog mit Dir?

„Boah, sorry, ich bin genervt von der neuen Kollegin, das muss einfach mal raus!“, begrüßt Sonja ihre Freundin zur gemeinsamen Mittagspause im Café.

„Oh nein, los, erzähl!“, fordert Pia sie auf.

„Anfangs war sie ja echt symapthisch und ich sollte sie ja einarbeiten und ich fands auch echt gut, dass sie Fragen gestellt und sich Notizen gemacht hat. Aber vielleicht waren es auch keine Notizen, sondern sie hat irgendwas aus Langeweile gemalt. Als Beispiel: Sie ist jetzt seit 3 Monaten da und kann sich den Code für den Kopierer nicht merken!“, Sonja schüttelt den Kopf.

„Na ja, vielleicht hat sie den ja notiert, aber ihre Notizen nicht immer zur Hand?“, versucht Pia, Sonja zu beruhigen. Sie merkt, wie schwer es ihr fällt diese negative Energie auszuhalten und möchte auch Sonja irgendwie beruhigen.

Sonja schaut sie direkt irritiert an: „Hä? Das war ja nur EIN Beispiel und ganz ehrlich, 5 Ziffern sollten ja jetzt kein Problem sein!“, sagt Sonja forsch und fährt fort „Sie erzählt mir auch ständig aus ihrem Privatleben und hält mich von der Arbeit ab, die wir eigentlich teilen sollten!“

„Ich verstehe, ich hatte ja auch mal so eine Kollegin, aber Deine ist ja noch in der Probezeit, oder?“, erkundigt sich Pia.

„Nee! Eben nicht! Ich wurde ja schon letzten Monat um eine Einschätzung gebeten und habe sie ja durchaus positiv eingeschätzt und als wissbegierig und engagiert beschrieben und heute hatte sie dann Kuchen mit, sie ist jetzt unbefristet!“

„Und wenn Du einfach nochmal zu Deinem Chef gehst…“, schlägt Pia vorsichtig vor.

„Boah Pia, was soll der denn tun?! Fällt doch am Ende auf mich zurück!“

Ratschlag

Pia ist verärgert, sie wollte doch nur helfen, immerhin hatte sie schonmal so eine ähnliche Situation. Sie wollte doch nur nach Lösungen suchen und jetzt wirkt es fast so, als sei Sonja auch von ihr genervt. 

Sonja hingegen fühlt sich unverstanden. Sie ist frustriert. Warum tut Pia so, als sei das kein Problem? Schlimmer noch, sie nimmt ihre neue Kollegin ja gar in Schutz. Sonja beschleicht das Gefühl, dass sie übertreibt und es an ihr liegt. 

Solche Dialoge kennst Du sicherlich. Du möchtest einfach nur mal „Dampf ablassen“ und Dein Gegenüber treibt Dich in denWahnsinn, weil er/sie einfach nicht versteht, dass das eben keine Lappalie ist. Zumindest erzeugt er/sie in Dir durch diese Lösungs- und Besänftigungsvorschläge das Gefühl, als solltest Du Dich nicht so ärgern.

Pia allerdings, wollte Sonja weder vorschreiben, was sie zu tun hat, noch wollte sie ihr Problem runterspielen oder sie frustrieren. Pia wollte „Helfen“ und vielleicht, wollte sie auch ein bisschen Anerkennung für ihre guten Tipps und ihr Wissen. 

Vielleicht hilft Dir das beim nächsten Mal, wenn sich jemand scheinbar krampfhaft gegen all Deine gut gemeinten Ratschläge wehrt, zu verstehen, dass sein/ihr Bedürfnis gerade vor allem Verständnis und Mitgefühl ist - statt einer Lösung oder einem Ratschlag. Und falls Du mal wieder mit solchen bombardiert wirst, benenne, wonach Dir gerade ist: „Ganz ehrlich, ich möchte gerade keine Lösung oder so, ich wollte einfach nur mal Dampf ablassen. Deine Tipps klingen echt gut, aber ich bin noch nicht so weit mich ner Lösung zu widmen, ich will einfach mal meckern.“

3. Lästern

Ja, lästern hat auch so eine schöne Funktion wie Verbundenheit, man grenzt sich von der Parallelklasse ab um das Klassengefühl zu stärken - als banales Beispiel. 

„In der C sitzen ohnehin nur Bekloppte!“

Jennifer Angersbach

Aber auch Lästern aus Neid, man muss den Anderen abwerten, damit man vor sich selbst eine angenehmere Begründung hat, warum man dies oder jenes nicht hat. „Schon die neue  Abteilungsleiterin gesehen? Bestimmt hochgeschlafen!“ Man unterstellt also, dass man, um den Job zu bekommen gegen seine Grundsätze hätte verstoßen müssen und dann braucht man ja auch nicht neidisch sein.

Manchmal lästern wir auch, um von Anderen zu hören, dass man schon gut so ist, wie man ist! 

„Schatz, guck mal, die sieht ja aus wie ne Professionelle!“

Lästern kann auch einfach der Psychohygiene dienen, jemand verhält sich, aus unserer Sicht komplett daneben, wir verstehen das Verhalten einfach nicht. Ein Widerstand bis hin zur Wut kann dadurch ausgelöst werden. (Haben wir ja manchmal sogar bei uns selbst: „Boah ich bin so blöd! Warum muss ich immer wieder den gleichen Fehler machen???“ 

Um diesen Widerstand zu lösen, hilft es mit Anderen zu reden, sich auszukotzen und zu lästern… 

Das sind alles Schutz-Strategien, auf Kosten Anderer. Wie schwach wir scheinbar sind, dass wir andere abwerten müssen, um uns selbst aufzuwerten, oder?

4. Wir machen uns lustig

Humor in der Partnerschaft

„Meine Frau wollte kürzlich von Dortmund nach Hannover und rief aus Wuppertal an, die A2 sei weg.“

…und welche lustigen Anekdoten packst Du so aus, wenn die Familie oder Freunde am Tisch bei Kaffee & Kuchen sitzen?

Gerade wenn man mit mehreren Leuten unterwegs ist, scheint es üblich immer wieder die Schwächen oder Peinlichkeiten anderer auszukramen. Alle wissen Bescheid, alle lachen über den Spruch. Man fühlt sich gut, ist witzig, schlagfertig. Auf Kosten Anderer. In diesem Beispiel auf Kosten der Partnerin oder des Partners. 

„Was sich liebt, das neckt sich!“ Von wem kommt eigentlich diese kluge Weisheit? 

Das ist nämlich keine Weisheit, sondern eine Beobachtung. Menschen tun das in der Kennenlernphase vor allem um sich selbst zu schützen… Sie signalisieren damit ihre „Unabhängigkeit“ und zeigen sich nicht so verletzlich:

Statt: „Wow, Du bist so schön!“ kommt dann, „Dachtest Du das sei ein Date?!“ Und das ist auch gar nicht so unverständlich, immerhin wollen wir gefallen und wer Gefühle zeigt, gilt als schwach und wer schwach ist, ist nicht attraktiv. 

(An dieser Logik und Dynamik ist was dran, einfach weil wir alle Menschen sind, mit Erfahrungen die uns gelehrt haben, dass wir uns schützen müssen vor Ablehnung. Weil wir bereits Ablehnung erfahren haben, als Weichei oder Heulsuse bezeichnet wurden, weil wir in einer Gesellschaft leben in der Vertrauen missbraucht wird, Ungerechtigkeit zur Tagesordnung gehört und Schwäche und Naivität eher negativ konnotiert sind.)

Am Ende geht es immer um das Ego, den Wunsch nach Anerkennung und dem Mangel an Selbstliebe. #WeltfriedendurchSelbstliebe mag naiv klingen, aber ich bin mittlerweile lieber naiv, vertraue auch Fremden, zeige Verletzlichkeit und Schwäche, anstatt mich, wie früher, dieser harten Welt anzupassen, mich rar zu machen, andere abzuwerten, nur um Anerkennung zu erfahren, der ich dann doch nicht glauben kann.

5. Man analysiert.

„Und gibt‘s was Neues von Oliver?“

Manuela grinst, allein beim Gedanken an ihn und sagt: „Ja, also gestern, da, ach warte…!“

Sie kramt in ihrer Tasche und zieht das Handy hervor, geht auf WhatsApp und erschrickt!

„Was ist los?“, fragt ihre Freundin besorgt.

„ER IST ONLINE!“, erklärt Manu. 

„Okay, dann warten wir“, sagt ihre Freundin verständnisvoll. 

„Wobei, ich sehe ja, wenn er schreibt! Dann kann ich ja immer noch rausgehen!“

„Ja, aber denk dran, erst den Chat zu verlassen, sonst ist seine Nachricht gelesen, sobald Du WhatsApp wieder öffnest.“

„Ah, stimmt! Also, ich hab ihm geschrieben, dass ich es wirklich schön fand und das Gefühl hatte ich selbst bei ihm sein zu können. Er hat dann geschrieben, dass es ihm auch so gehe und gesagt, ich soll gut schlafen!“

„Warte. Euer Date war doch am Samstag?! heute ist Dienstag!!!“, entgegnet die Freundin irritiert, „habt ihr 2 Tage nicht geschrieben???“

Manu bekommt Angst, fast Panik. Stimmt. Und sie hatte sich so zurücknehmen müssen am Sonntag und Montag… 

„Ist das jetzt ein schlechtes Zeichen?“, fragt Manu verunsichert.

„Weiß ich nicht. Ich will Dir ja nicht zu Nahe drehten, aber… Du meintest Du könntest bei ihm ‚Du selbst‘ sein. Und Du bist eigentlich niemand der sich rar macht.“

„Ich will ihn ja nicht überfordern…! Vielleicht ist er auch einfach nicht der Typ für Verbindlichkeit? Oder er ist sich nicht sicher? Oder er ist schüchtern?“, analysiert Manu.

„Schreib ihm doch einfach, wann ihr euch wiederseht, dann weißt Du mehr?!“, schlägt ihre Freundin vor.

„Bist Du verrückt? Und was wenn er nicht antwortet?“

„Du würdest jetzt also lieber seine Nachricht auf Hinweise analysieren, als Klarheit zu haben?“

„Nee, aber ich habe Angst davor, dass er mich doch nicht mag und ich möchte nicht abgelehnt werden… ich will mich nicht anbiedern, weißt Du?“

„Und was wenn es ihm ähnlich geht?“

„Was, wenn nicht?“

Aber das Analysieren findet auch gerne bei mir in der Praxis statt. Es ist gar nicht so selten, dass Paare, oft in der 3. Sitzung, nachdem sie verstanden haben, dass alles sein darf, es nicht um ein Gegeneinander sondern Miteinander geht, mir helfen wollen meine Arbeit zu machen. Oder vielleicht auch, von sich ablenken wollen. Oder aber irgendwas in Ihnen sich eben doch noch danach sehnt, dass sie doch eigentlich schon gut so sind, wie sie sind, vor allem, nachdem sie vielleicht während den Sitzungen bereits tiefer in ihrer ganz persönlichen Themen abgetaucht sind. Die Frau, die in der zweiten Sitzung bereits viel geweint hat und viele Erkenntnisse hatte, sind dann Verhaltensweisen an ihrem Mann aufgefallen, die vielleicht ja auch was mit seiner Kindheit zu tun haben, also konkret, ihr sei schon immer aufgefallen, dass er seiner Mutter hörig ist. Und wenn ich dann nicht sofort unterbreche folgt eine Persönlichkeitsanalyse, fast eine Anamnese des Mannes, gespickt mit Beispielen und Situationen und so wahnsinnig vielen Abwertungen. 

Das Problem: Selbst wenn die Frau vollkommen richtig liegt, es hilft dem Mann kein Stück, wenn er das alles nicht sieht oder nicht sehen will. Im Gegenteil, wenn wir jemandem eine Lösung für sein Problem anbieten, was derjenige jedoch gar nicht hat, fühlt er sich angegriffen und macht zu. Sollte der andere das Problem sehen und eine Lösung präsentiert bekommen, die er für sich sehr abwegig findet, dann hält er an seinem Problem fest. Denn zunächst muss das Problem verstanden werden. Und so lange das Problem nicht verstanden wird, weder von ihm noch von ihr, kann sie etliche Beispiele anbringen und jedes Beispiel führt nur zu einer Rechtfertigung, warum das nicht stimmen kann.

6. Diskussionen und Streit

Wenn wir eine Meinung haben, dann möchten wir Verstanden werden, noch triumphaler allerdings wäre es, wenn wir jemand Anderen von unserer Sichtweise überzeugen können. Und das erklärt auch schon das ganze Dilemma. 

Leider stehen unsere Bedürfnisse nach Verständnis und Anerkennung oft vor dem Bedürfnis nach Wissen. Sei es beruflich oder privat. Eine Diskussion endet oft in Frustration und das Gefühl der Ablehnung - mindestens für Einen, das merkt man dann an der leicht angesäuerten Aussage: 

„Das ist halt meine Meinung!“ 

-> „Schade, dass Du mich nicht verstehst!“ 

-> „Schade, dass Du meine Meinung und irgendwie auch mich ablehnst!“ 

-> „Schade, dass wir scheinbar nicht so sehr verbunden sind, wie ich dachte!“ 

Daher ist es wichtig sich all das bewusst zu machen, frage Dich:

Personzentrierte Beratung

Warum tut es Dir so weh, wenn jemand seine Meinung sagt und diese nicht Deiner entspricht? Worum geht es Dir eigentlich? Vielleicht kannst Du das zur Verfügung stellen? Oder eben, wenn es andersrum passiert, nachfragen:

„Du wirkst verletzt? Warum ist es Dir so wichtig, dass ich bei dem Thema so denke wie Du?“

Wenn Du oder Dein Gegenüber eigentlich ein anderes Bedürfnis hast/hat und gar nicht das Wissen im Vordergrund steht, fehlt euch die Grundlage des Austauschs. Vielleicht geht um Zuwendung, Anerkennung, Verbundenheit, den Wunsch zu helfen… und wenn das, das Bedürfnis ist und war, ist es verständlich, wenn Du oder Dein Gegenüber verletzt bist/ist. 

Zusammenfassend: Wir Menschen neigen dazu alles und jeden zu bewerten und insbesondere wenn wir etwas verstehen wollen, reimen wir uns Dinge zusammen. Oder aber wir sehnen uns nach Anerkennung und ziehen falsche Schlussfolgerungen. Wir erklären uns Verhaltensweisen mit Hilfe eigener Erfahrungen und Beobachtungen, ab und zu kommt noch ein bisschen Fachwissen hinzu und fertig ist die „Analyse“ eines anderen Menschen oder einer Situation. 

Und das ist vollkommen normal und menschlich, so arbeitet unser Gehirn. Informationen werden zusammengefasst, in Kategorien eingeteilt. Wenn ein Tier durch die Luft fliegt, dann folgern wir, ohne große kognitive Anstrengung vollkommen zurecht: Ist wohl ein Vogel. Es gibt keinen manuellen Denkprozess mehr, bei dem wir sämtliche Tiere durchgehen: Hund, Kuh, Giraffe. ⠀

Ich analysiere nicht. Ich bewerte auch nicht.⠀

Die Sprachen der Liebe

Mir geht es vor allem darum zu verstehen und genau darum geht es auch bei der Selbstliebe, wenn Du Dich verstehst, dann kannst Du Dich akzeptieren und annehmen. Dich lieben.

Um Dich zu verstehen gibt es so viele verschiedene Anhaltspunkte, Impulse und auch Theorien, mir kommen direkt die Sprachen der Liebe in den Sinn.

Also es gibt die Theorie der 5 Sprachen der Liebe von Gary Chapman, sehr bekannt, sehr einleuchtend, oft sehr passend. Gleichzeitig „scheitern“ Sitzungen, in denen die Sprachen der Liebe zum Thema gemacht werden oft langfristig, denn so einfach ist es eben nicht. Keine Diagnose, keine Theorie, keine Standards können unsere komplexe Psyche, unsere Persönlichkeit und unsere Erfahrungen abbilden. Die Sprachen der Liebe sind ein netter Eisbrecher - nicht mehr und nicht weniger. Gerade bei Krisen nach langer Zeit ist es ja schwierig einfach zu dem Schluss zu kommen: „Ihr sprecht wohl ne andere Sprache“ „Ach? Und warum lief es 20 Jahre lang gut?“

Warum erwähne ich sie dann dennoch? Weil sie empirisch untersucht und durchaus bestätigt wurden. Es ist was dran an Chapman’s Theorie, keine Frage. In akuten Krisen, kann die Theorie und deren Schlussfolgerungen helfen, dass der „Tank der Liebe“, wie Chapman es nennt, wieder aufgefüllt wird, um Zuwendung wieder zu ermöglichen und somit eine Basis des Verstehens wieder ermöglicht wird. 

Ein Beispiel:

Wie oft sitzen Paare bei mir und erzählen mir, unabhängig voneinander, exakt das Gleiche:

„Ich fühle mich nicht gesehen, nicht gehört und nicht verstanden. Die Leichtigkeit fehlt. Ich wünsche mir mehr Harmonie. Ich frage mich, ob er/sie mich noch liebt.“

Und obwohl da diese 2 Menschen exakt das Gleiche wollen und das Gleiche vermissen, sind sie unzufrieden, frustriert, verzweifelt und hilflos. Sie fühlt sich allein gelassen, versucht ihm wo es nur geht den Rücken frei zu halten und wünscht sich Unterstützung. Er ist einsam, er erkundigt sich oft nach dem Wohlbefinden seiner Frau und verleiht seiner Bewunderung Ausdruck und wünscht sich etwas mehr Anerkennung für das was er tut.

„Toll wie er immer sagt, was ich alles leiste… und mich fragt, wie es mir geht…ts. Davon wird die Wäsche auch nicht sauber. Ich bin gestresst!!! Kann ich noch deutlicher Formulieren das ich mir Unterstützung wünsche?“

„Ständig fragt sie ob sie mir helfen kann, statt einfach mal zu sehen, wir ich das alles wuppe oder sich für mich zu interessieren, verbreitet sie nur schlechte Stimmung, sagt sie sei gestresst und bietet mir dennoch Hilfe an, wie paradox! Und davon ab gibt sie mir dadurch das Gefühl ich schaff‘s alleine nicht, ich fühl mich wie ein kleiner Junge!“ 

Ich kann beide sehen. Ich höre beide. Ich verstehe beide.

Du auch? 

Für Sie scheint Liebe vor allem etwas mit Unterstützung und Fürsorge zu tun zu haben. Ihm geht es eher um Anerkennung und Lob. 

Diese Erkenntnis kann sehr entlastend, wenn auch nicht allumfassend und lösend sein. Es ist sozusagen der Energieriegel, für Verhungernde, kurzfristig deckt er den Bedarf, langfristig sollte dieser durch ausgewogene und gesunde Ernährung mit ganz natürlichen Lebensmitteln gedeckt werden. Denn für die Liebe bedarf es keiner Regeln, Grenzen und Pläne, Liebe ist intuitiv doch manchmal verlieren wir unsere Intuition oder durften ihr nie freien Lauf lassen. Aus Angst, aus Schutz oder/und aus Mangel an bedingungsloser Liebe in der Kindheit. 

Komplexer und somit auch nicht ganz so einfach die Frage, nicht empirisch untersucht, kam mir nur so in den Sinn:

Welche Muttersprache der Liebe sprichst Du?

So oder so machen wir unsere ersten Erfahrungen mit der Liebe nicht erst in der Pubertät, sondern bereits als Baby, Kleinkind und Kind. In diesen ersten Lebensjahren werden viele Aspekte ‚unserer Persönlichkeit‘ geprägt. 

  • Wie reagierten unsere Eltern* auf unsere Bedürfnisse? Wie und womit wurden wir getröstet? Wurden wie getröstet? Wie wurden uns unsere Grenzen aufgezeigt? Gab es welche? Wie und wann wurden wir geliebt? Immer, oder vor allem wenn wir brav, lieb und angepasst waren? Gab es Gefühle und Bedürfnisse die „unerwünscht“ waren? Wurden wir erZOGEN oder begleitet? Hatten wir Angst, statt Respekt?
  • Wie fühltest Du Dich als Kind? Ausgeliefert und bevormundet? Beschützt und bestärkt? 
  • Waren Deine Eltern, oder einer von ihnen, sehr mit sich oder miteinander beschäftigt? Konnten sie Dir, aufgrund der Umstände, nicht geben, was Du brauchtest? Haben sie Dir alles gegeben und ermöglicht?
  • Wolltest Du so werden wie das (vielleicht) idealisierte Elternteil?
  • Wolltest Du unter keinen Umständen so werden wie Mama oder Papa?


Viele Deiner heutigen Themen können sich vielleicht mit dieser ersten „Sprache der Liebe“ erklären und verstehen lassen. Der Ursprung vieler Ängste und Schutzstrategien kann hiermit vielleicht verstanden werden. 

*Da es das Wort „Muttersprache“ tatsächlich gibt, habe ich es gewählt, nicht um zu signalisieren, dass diese Verantwortung ausschließlich bei der Mutter/Mama/Frau die Dich zur Welt gebracht hat liegt. 

Paartherapie

In einer Partnerschaft gibt es gewisse "Basics" mit denen sich viele identifizieren können und die sie durchaus als erstrebenswert ansehen (siehe Grafik). Und gleichzeitig hier nun ein paar Fragen an Dich:

1. Warum verstellst Du Dich? Gibst manchmal vor jemand zu sein, der Du nicht bist? 

2. Warum strebst Du nach Adrenalin und Aufregung? Warum sehnst Du Dich nach dem unsicheren Gefühl „frisch verliebt“ zu sein?

3. Warum schaust Du ob er/sie zwischendrin online war, obwohl Deine Nachricht ungelesen ist?

4. Warum gibst Du Dich bei Deinen Freundinnen und Freunden anders, als bei und mit ihm/ihr?

5. Warum fällt es Dir so schwer zu sagen, was Du brauchst, was Dich stört, dass Du ihn/sie vermisst bzw. Dich einsam fühlst?

Ein Fazit: Wir handeln immer (!) aus einem guten (!) Grund, den wir manchmal stolz vor uns hertragen und nicht weiter hinterfragen, und im Recht fühlen und uns wundern, warum uns keiner versteht.

Und manchmal verstehen wir uns nicht, kennen den „guten Grund“ nicht und fühlen uns als Opfer unserer Selbst, kämpfen gegen unser Sein an, um endlich liebenswert zu werden, ohne zu verstehen, dass wir es schon immer waren und sind.


Was planst Du also zukünftig zu tun?

Achtsamere Schlussfolgerungen bei deinen Bewertungen? Weniger Ratschläge? Mehr Verständnis? Hörst Du auf Dich mit anderen zu vergleichen und vergleichst Dich lieber mit Dir selbst, mit Deinem gestrigen Ich? Wirst Du weiterhin lästern? Und wenn ja, aus welchem Grund? Und wie ist das wohl bei der nächsten Familienfeier oder der nächsten Party, wirst Du Deinem Bruder wieder die gleichen Sprüche drücken, wie im letzten Jahr, damit Deine Schwester wieder über Deinen Gag lacht? Wirst Du bei der nächsten Diskussion mal die Bereicherung durch die Meinung des Anderen in den Vordergrund stellen? Wenn Dir jemand ganz leidenschaftlich und vehement und emotional seine Meinung, seine Sicht erklärt, dann ist es ihm/ihr wichtig verstanden und anerkannt zu werden und das geht auch ohne die Meinung des Anderen zu adaptieren!


Selbstliebe

1. Verständnis statt Be- und Abwertung

Jeder Mensch ist gut und jeder Mensch handelt aus einem guten Grund. 

Sogar Du selbst. Oder Dein*e Ex.

Statt Dich abzuwerten und/oder andere abzuwerten, (meist ist es ein ‚oder‘) versuche zu verstehen, sei neugierig. 


2. Mitgefühl statt Ratschläge oder Mitleid.

Mitgefühl

Ratschläge sind auch Schläge. Eine Lösung verhindert die Würdigung des Problems. Mitleid lässt Dich oder Andere klein fühlen. 

Aushalten fällt schwer, aber versuche, wenn Dir jemand sein Leid klagt, ihm/ihr zu glauben. Denn für ihn/sie ist es wahr, das Gefühl, dass das Leben nicht weitergeht, ist echt. Sich da rein zu fühlen, ist unheimlich schwer. Noch schwerer ist es allerdings, wenn man es fühlt und einem dann suggeriert wird, dass das nicht stimmt oder man sich nicht so anstellen solle. 

Letzteres ist paradox by the way, immerhin schaffst Du es ja nichtmal mitzufühlen. 

Akzeptanz

3. Akzeptanz statt Ignoranz, Resignation oder Ablehnung.

Es gibt Dinge, die wollen wir nicht annehmen, sie tun so weh, dass wir lieber an einer Illusion festhalten. 

Das Dilemma? Wenn ich etwas verdränge oder nicht wahrhaben will, dann bin ich machtlos und ausgeliefert. Denn „da“ ist es ja dennoch, ich weiß nur nicht mehr wo und habe eben keine „Kontrolle“ mehr. Eine Rechnung nicht zu öffnen, weil man sie eh nicht begleichen kann, macht alles nur schlimmer. Lieber einmal durch die Enttäuschung durch, durch die Traurigkeit durch, die Gefühle erleben, aushalten, annehmen, akzeptieren. Statt davor stehen zu bleiben und einfach n Tuch drüber zu hängen. 

Selbstliebe

Du musst Dich nicht VERstellen, es anderen Recht machen, andere ABwerten, nach ihren Lösungen suchen, Dich über sie lustig machen oder sie von Deiner Meinung überzeugen, damit Du Anerkennung erfährst und liebenswert bist. Du darfst sein. Du darfst Deinen Weg gehen. Du darfst Dich verstehen. Du darfst Andere verstehen. Du darfst Dich annehmen. Du darfst fühlen. Du darfst wachsen. Du darfst da sein. Du darfst mitfühlen. Du darfst Dir vertrauen. Du darfst an das Gute glauben. Du darfst leben. Du bist gut. 

"Ich glaube an mich. Ich vertraue mir. Und wenn Du mein Vertrauen missbrauchst, dann hat das einen guten Grund, ich bin neugierig darauf ihn zu erfahren. Und wenn Du mich nicht gut behandelst und ich Dich nicht verstehe, dann darf ich gehen und Dich loslassen. Dann darf ich traurig sein."

Selbstliebe

Wenn es Dir schwer fällt Dir zu vertrauen, an Dich zu glauben und Dich selbst zu lieben, dann fehlt Dir vermutlich jemand der Dir ein gutes Vorbild ist, Dir zeigt, dass er Dir vertraut, an Dich glaubt, Dich akzeptiert. 

Versuch Du der/diejenige für Andere zu sein, vielleicht gelingt es Dir schon bald, bei Dir und für Dich selbst.Denn wem gebührt Deine Anerkennung, Wertschätzung und Liebe? Vermutlich den Menschen, bei denen Du sein kannst wer Du bist, mit allem was dazugehört.

Kommst Du ins Team? 

Oder brauchst Du vorab noch ein Probetraining?

Selbstliebe

In der Personzentrierten Beratung, gebe ich Dir diesen abwertfreiem, bedingungslos positiv zugewandten Raum - ohne Dir etwas vorzuspielen. Ich unterstelle Dir immer einen guten Grund und wenn ich diesen nicht verstehe, versuche ich es zu verstehen. Ich bin authentisch, empathisch und akzeptierend. Es handelt sich nicht um eine Methode oder Gesprächstechnik, sondern um eine Haltung, die mich geheilt hat, die mich zu mir selbst gebracht hat und die mir gezeigt hat, das ich gut bin, wie ich bin mit allem was dazu gehört nicht trotz meiner Fehler und Schwächen und auch nicht deswegen. 





 
 
 
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