Paartherapie & Personzentrierte Beratung (GwG) 
Jennifer Angersbach

Führt Dein Ego Deine Beziehung?

…hast Du den letzten Podcast „Du und Dein Ego“ gehört?

Gut! Falls nicht, ist das auch kein Problem, machts nur leichter für Dich zu greifen, was das EGO ist. Ich versuchs kurz zusammenzufassen:

Das ist nicht meine Stärke, also auf den Punkt kommen.

Tadaa! Erster Ego-Moment.

Ich habe in gewissen Bereichen ein recht negatives Selbstkonzept.

Und während ich das sage, beginnt direkt ein kleiner Kampf in mir, da ist diese Stimme, die die letzte Aussage revidieren möchte:

"Nur in gewissen Bereichen? Tu doch nicht so! Als wärst Du in den meisten Bereichen so von Dir überzeugt! Du klingst voll… na ja… Du stellst Dich besser da als Du bist!"

Eine andere, leise und sehr verletzte Stimme sagt dann: "Jetzt hör doch mal auf, ich habe nie behauptet, dass ich so mega selbst von mir überzeugt bin"

Und ich sage nun: Was wäre denn überhaupt schlimm daran? Wenn ich von mir überzeugt bin!

Das Ego hat direkt eine Antwort: "Na ja, das mag doch keiner! So Angeberinnen. So Menschen die sich über Andere stellen. Die, die das hören, fühlen sich jetzt vielleicht doof, weil sie nicht nur in gewissen Bereichen ein negatives Selbstkonzept haben. Außerdem, hast Du ja auch Momente in denen Du gänzlich an Dir zweifelst, Du fragst Dich doch auch oft, ob Du eine gute Mama bist oder was mit Dir nicht stimmt, immerhin bist Du Single…"

Jetzt hör doch mal auf!

Die kleine verletzte Stimme weint. Sie fühlt sich wie ein kleines Kind, das mal wieder einen auf den Deckel kriegt. Sie sagt gar nichts mehr.

So hier haben wir nun den zweiten Ego-Moment. Ich habe es mal transparent ausgesprochen, was mein Ego so zu mir sagt, heute hat es einen besonders schlechten Tag. Ich nenne mein Ego jetzt einfach mal Frauke.

Livehack von Dr. Nicole Lepera die dazu rät, dem Ego einen Namen zu geben.

Und jetzt kläre ich es auf:

1. Ego-Moment: Mein Ego sagt mir, aufgrund von Erfahrungen und Feedback, dass ich mich nicht so gut kurz fassen kann, ich brauche ewig, um auf den Punkt zu kommen. Es erinnert mich daran, ich bin dafür sehr dankbar, spreche es aus, um Dich direkt vorzubereiten, sodass Du nicht enttäuscht bist, wenn ich länger brauche, um das Ego zusammenzufassen.

Ich persönlich finde die Strategie gut. Ich bewundere Menschen die sehr gezielt, kurz und dennoch verständlich formulieren können, was sie sagen möchten. UND ich wäre auch gerne so. Anstatt mich aber wie sonst immer abzuwerten, indem ich mich dagegen wehre das ich so bin, nehme ich die Erinnerung meines Egos an. Es hat ja Recht. Dieses Mal. Und es hilft mir. Ich akzeptiere, dass ich so bin, ich kann ja noch werden.

Denn ich weiß, wenn ich etwas annehme, kann ich es akzeptieren und irgendwann loslassen. Nehme ich es nicht an, kann ich es ja auch nicht loslassen, weil ich ja so tue, als sei das nicht so.

2. Ego-Moment: Ich sage „in gewissen Bereichen habe ich ein negatives Selbstkonzept“ Mein Ego meldet sich direkt zu Wort, ich solle nicht so angeben und legt mir auch dar, warum das so negativ ist.

Ich höre geduldig zu, ich verstehe die Punkte, klar! Ich bin aufgewachsen mit dem Spruch: „Eigenlob stinkt!“, wie so viele Andere. Du vielleicht auch. Aber einerseits wird Selbstliebe propagiert, es geht sogar so weit, dass Menschen sagen, man muss sich Selbstlieben, sonst tue es kein Anderer und wenn es kein anderer tut, von wem bekommt man dann Liebe?

So weit so gut, aber Anerkennung ist eng mit Liebe verknüpft. Wenn ich mich selbst nicht lieben darf, weil das ja in Richtung Eigenlob geht, mich nicht loben darf, wie soll ich mich dann je selbst lieben?

Gute Frage, oder?

Liebe bedeutet Akzeptanz! Ich kann mich ja akzeptieren, ich muss gewisse Dinge nicht mal gut finden. Dennoch darf ich sie annehmen.

Also, liebes Ego, liebe Frauke: "Ich verstehe Dich, ich sehe es aber anders. Und Du bist lediglich ein Teil von mir, Dich habe ich auch akzeptiert, weil ich verstehe woher Du kommst und auch, dass Du mich eigentlich vor Ablehnung und Enttäuschung beschützen möchtest.

Danke für Deinen Einwand, zum Glück darf ich entscheiden, ob ich Dir zustimme und Deinem Rat folge, oder eben nicht. Denn auch Du kannst noch von mir lernen, wenn ich es Dir und uns ermögliche korrigierende Erfahrungen zuzulassen."

Also ja, ich habe lediglich in gewissen Bereichen ein negatives Selbstkonzept, in den meisten ist es sehr positiv. Ich kann mich nicht kurz fassen, das bewerte ich als negativ, dennoch entspricht es ganz offensichtlich der Wahrheit und ich habs akzeptiert, daher dauert meine kurze Zusammenfassung auch schon so lange.

Das Ego ist nämlich die Stimme der Bewertung, sie dient unserem Schutz. Sie bewahrt uns vor Fehlern, indem sie uns manchmal sagt, wir sollten es besser gar nicht erst versuchen. Sie hält uns davon ab, eine 3. Liebeserklärung nach einem Korb zu verfassen, damit wir nicht noch erbärmlicher wirken, als wir uns ohnehin schon fühlen und sie bestätigt uns in den Dingen die wir gut können, Du schaffst das Alleine! Wenn Du jetzt wieder um Hilfe bittest, stellst Du eine Last dar!

Sie sorgt dafür, dass wir über uns hinaus wachsen, einerseits und hält uns andererseits davon ab.

Daher ist es so wichtig ihr nicht blind zu folgen!

Im letzten Podcast ging es um die Frage: Kontrolliert Dein Ego Dich? Oder kontrollierst Du Dein Ego? Außerdem habe ich dort Beispiele für Aktivierungen des Ego zusammengefasst.

Heute geht es um Dein Ego, Dich und die Partnerschaft

Denise war beim Kuchenbasar der Kita ihrer Tochter. Sie hatte einen Mamorkuchen mit Backmischung gebacken und schon beim Kauf der Backmischung hatte sie so einen Gedanken wie: „Ey! Kann ich eigentlich nicht bringen, aber wer plant so nen Kuchenbasar am Samstag-Morgen? Warum nimmt niemand Rücksicht auf Berufstätige? Jetzt muss ich am Samstag noch früher aufstehen, um den Scheißkuchen zu machen! Warum kümmert sich Martin eigentlich nie um so was? Der hätte es sich einfach gemacht! Einfach ne Tiefkühltorte gekauft und dann wäre es auf mich zurückgefallen…“

Nun der Dialog nach dem Kuchenbasar, dieser befindet sich auch auf Instagram:

„Und wie wars?“ Martin fragt besonders behutsam, denn er sieht seiner Frau bereits an, dass da irgendwas nicht stimmt.

Dankbar für die Einladung fängt Denise direkt an loszuschimpfen:

„Es war die Hölle! Ich kann einfach nicht mit anderen Muttis!“ Sie führt ihren Zeigefinger richtung Mund und tut so, als wolle sie sich übergeben. „Direkt zur Begrüßung meinte Gabi nur: ‚Ach schön, dass wir auch n trockenen Kuchen haben.‘ und hat dann so getan als würde es ihr leid tun, dass sie ne 3-stöckige Erdbeertorte gemacht hat. FÜR NEN KUCHENBASAR im Kindergarten! Vermutlich ist sie so frustriert und verbittert, dass sie nur das Backen hat!Dumme Kuh! Ist mir auch voll egal, was sie von mir denkt! Ts! Trockener Kuchen! Als wäre ich ne schlechtere Mutter dadurch!“

Martin schüttelt etwas unbeholfen den Kopf. Er würde gerne was tröstendes sagen, aber er ist immer etwas überfordert von so viel Emotion bei Denise.

Dann runzelt er die Stirn und sagt doch noch: „Oh mann, aber das ist doch ein bisschen weit hergeholt, oder?“

Er möchte sie besänftigen, ihr signalisieren, dass das nicht stimmen kann und weil es nicht stimmt ist auch alles gut.

Tja. Du weißt vermutlich was nun passiert, oder?

Denise fühlt sich nun auch noch von ihrem Mann angegriffen, der ihr durch seinen Versuch sie zu besänftigen, das Gefühl vermittelt, sie übertreibe, sei hysterisch und offenbar liegt sie vollkommen falsch.

Denise rastet also, vollkommen verständlich aus!

Warum? Weil Martin doof reagiert hat? Auch. Aber ihre Reaktion ist doch etwas Unverhältnismäßig, denn am Ende wirft sie ihm gar vor, dass er sie scheinbar auch als Rabenmutter sieht und sie ihm offenbar egal sei, soll er doch zu Gabi gehen, die macht vielleicht auch öfter Mal die Beine breit.

Ich bin unsicher ob Du Dich gerade erschreckst, immerhin kennen wir uns vielleicht gar nicht, andererseits unterstreichen viele Paare gerne, während sie bei mir in der Praxis sitzen, dass ich keine Vorstellung davon habe wie krass es zu Hause, ohne mich, eskalieren kann. Daher dachte ich mir, ich darf vielleicht hier, in diesem Podcast auch mal etwas derber werden.

Zurück zu Denise. Sie wird definitiv vom Ego kontrolliert, dass ihr bis heute sagt, sie sei eine schlechte Mutter, wenn sie ne Backmischung mitbringt, sie sei eine miese Ehefrau, weil sie nicht 1x pro Woche mit ihrem Mann schläft und ne schlampige Hausfrau, weil sie ja nur 2x im Jahr Fester putzt und da sei es ja auch kein Wunder, dass ihr Mann sie verachtet.

Denise glaubt ihrem Ego, und findet es aber doof. Sie ist eine gute Mutter und trotz Vollzeitjob sei es immer aufgeräumt und ordentlich, backen kann sie halt nicht, aber das ist auch egal und sie will ja auch gar nicht so vermeintlich perfekt wie Gabi sein.

Doch anstatt mal ein ernstes Wort mit ihrem Ego zu sprechen, hinterfragt sie die Ego-Stimme nicht, sondern glaubt ihr, dass die Welt so funktioniert… Es gab offenbar entsprechende Erfahrungen/Vorbilder.

Also wehrt sie sich (nicht beim Ego) sondern bei Anderen gegen diese vermeintlichen Wahrheiten.

1. Sie vergleicht sich. 

2. Wertet Andere ab. 

3. Bekommt Dinge in den falschen Hals. 

4. Und wenn jemand nicht ihrer Meinung ist, fühlt sie sich in Gänze abgelehnt.

Die vier Ego-Aktivierungen.

Wie würde Denise wohl reagieren, wenn sie ihr Ego hinterfragt? Reflektiert? Oder gar um seine Existenz wüsste? Wenn sie die Dynamik verstehen würde, die "eigene" Abwertung, die erzeugt wird, bereits beim Kauf der Backmischung. Wenn sie in dem Moment hätte sagen könne, boah Frauke, vermutlich bist Du die Einzige die mich hier abwertet, weil ich ne Backmischung kaufe! Und selbst wenn Gabi es auch tun würde, es spielt keine Rolle, ich weiß, warum ich ne Backmischung kaufe.

Vermutlich wäre sie viel entspannter und weniger angriffslustig zum Kuchenbasar gegangen. 

Vielleicht hätte sie ihrem Mann im Anschluss folgendes berichtet:

„Es war erstaunlich schön! Gabi hatte ne richtig leckere Erdbeertorte dabei, also wow, da hast Du echt was verpasst! Ich kam dann auch mit ihr ins Gespräch, wusstest Du, dass sie eigentlich Anwältin ist? Ich muss ehrlich gestehen, mich hat es direkt erleichtert, daher läuft sie auch immer mit so schicken Kostümen rum, wird vermutlich verlangt in dem Job. Na ja egal, auf jeden Fall hat sie gesagt, ihre Tochter würde sich gerne mal mit unserer treffen, aber da sie selbst immer bis 17:00Uhr arbeitet, holt meist ihre Mutter die Tochter ab, sie fühle sich deswegen furchtbar und um sich nicht ganz so nutzlos zu fühlen, habe sie heute morgen um 5Uhr mit der Torte angefangen. Irgendwie sympathisch. Hab angeboten, dass wir das auch einfach übernehmen können, als die Betreuung, für uns ja auch schön, wenn Leni jemanden zum Spielen hat."

Natürlich ist das alles nicht so leicht, aber es macht durchaus Sinn, sich mal mit seinem eigenen Ego auseinanderzusetzen, die Welt wird plötzlich viel sanfter, denn eigentlich ist es nicht die harte, böse Welt da draußen, sondern oft sind wir es selbst.

4 Anzeichen dafür, dass Dein Ego Deine Beziehung führt.

Der Ego-Modus in der Partnerschaft wird immer dann aktiv, wenn es gerade irgendwie nicht so gut läuft.

Berichtet Dein Gegenüber von nem tollen Abend ohne Dich, löst Dein Ego ein Gefühl von Neid, vielleicht gar Versagen aus.

Du bist gerade unzufrieden mit Dir selbst und Dein Ego schützt Dich vor noch mehr Unzufriedenheit, indem es Dich nicht klar formulieren lässt, was Du brauchst. Aus Sorge dann eine direkte Ablehnung zu erfahren. Du formulierst durch die Blume, dein Gegenüber checkt‘s nicht und Dein Ego fühlt sich bestätigt: „Siehste?! Du bist nicht wichtig. Zum Glück haste nicht direkt gefragt!“

Du sehnst Dich nach Anerkennung und Bestätigung und lässt irgendwas Banales fallen, stimmt Dein Gegenüber Dir nicht zu, suggeriert Dir Dein Ego, dass Du gerade in Gänze abgelehnt wirst.

Ist Dein Gegenüber verletzt, fühlt sich Dein Ego bedroht und versucht die Schuld von sich zu weisen.Ach ja, darum sollte es ja eigentlich gehen. In Beziehungen, gibt es einige Ego-Fallen, sie erinnern an die 4 Ego-Aktivierungen und hängen miteinander zusammen, lassen sich jedoch nur teilweise 1 zu 1 übertragen. Vielleicht kennst Du eine der Situationen, die ich Dir hier gleich vorstellen werde.

Dein Ego ist wird aktiviert, wenn Dein Gegenüber....

1. ...Spaß mit anderen hat.

Er fragt sie, ob sie am Freitag schon was vorhabe, er wollte nämlich in die Kneipe. So weit so gut. Sie hat nichts vor und ist direkt traurig/enttäuscht, dass er sie scheinbar nicht dabei haben will, sonst hätte er ja gefragt. Anstatt zu sagen: "Nein, kann ich mit?" hält ihr Ego sie davon ab.

(EGO: Er hätte ja gefragt. Er will mich bestimmt nicht dabei haben. Biedere Dich nicht so an. Was wenn Du ihn fragst und er nein sagt, frag lieber nicht, sonst wirst Du noch mehr verletzt.)

Also sagt sie: "Nee, ich hab noch nichts vor. Ich werde vielleicht zu Meike rüber..."

Er: "Ah, okay, willst Du mit?"

(EGO: Jetzt eng ihn nicht ein, er fragst nur aus Höflichkeit. Lehn ab. Zeig dass Du ihn nicht brauchst!)

Sie: "Nee, macht euch mal nen schönen Abend."

Am Freitag Abend kommt er nach Hause, gegen 2:00Uhr, leicht angetrunken und fröhlich begrüßt er sie. Sie konnte nicht schlafen, hat an sich gezweifelt, war neidisch und jetzt, da er so einen tollen Abend hatte und dann auch noch davon berichtet, dass Lisa und Jana auch da waren, würde sie am liebsten sofort explodieren.

(EGO: Hast Du gehört? Lisa und Jana wäre auch da. Die sind nicht nur cooler als Du und witziger, sondern sehen auch viel besser aus. Insbesondere Jana! Er steht doch eh eher auf Blondinen, oder? Um 2:00Uhr kommt er erst heim, ts, wann ward ihr mal so lange weg. Du bist halt einfach langweilig.)

Sie: "Schön für Dich!"

Er: "Was bist Du jetzt so zickig?! Du wolltest doch nicht mit!"

(Ego: Siehst Du?! Das bist zickig, er wäre bestimmt lieber mit Jana zusammen.)

Sie: "Du wolltest mich doch nicht dabei haben!"

Er: "Ich hab Dich doch gefragt!"

(EGO: Ja aus Mitleid!)


2. ...scheinbar nicht zwischen den Zeilen lesen kann.

Ihr geht es nach dem Streit mit ihrer Mutter so gar nicht gut. Sie sehnt sich nach ein bisschen Fürsorge, als sie ihm zwischen Tür und Angel davon erzählt, bietet er an heute nicht zum Training zu fahren.

(EGO: Das ist genau das, was Deine Mutter Dir vorgeworfen hat. Du willst zu viel und ständig muss sich alles um Dich drehen. Das ist anstrengend. Vermassel es hier jetzt nicht auch noch! Sag er kann ruhig fahren. Sei stark!)

Sie: „Nee, fahr ruhig!“

Er: „Okay, bis später. Könnte länger dauern, wollten danach noch was Essen. Also warte nicht auf mich!“

Sie unterdrückt die Tränen.

(EGO: Vermutlich hat Deine Mutter recht, deswegen, bleibt er auch länger weg heute! Du bist halt einfach anstrengend! Du willst einfach zu viel! Sonst wäre er ja geblieben!)

Als er die Tür schließt kommen ihr die Tränen. Warum sieht mich denn keiner? Ich wäre definitiv hier geblieben. Ich hätte ihn nicht alleine gelassen. Vermutlich bin ich ihm nicht so wichtig! Ich will zu viel!

(EGO: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung!)

Als er später nach Hause kommt und ihr Tränen verschmiertes Gesicht sieht fragt er: „Hey, was ist denn los?“

Sie: „Du wusstest doch, dass es mir nicht gut geht, warum bist Du dennoch zum Training gefahren?"

Er: "Ich hab doch gefragt, ob das okay ist."

Sie: "Ja, aber was hätte ich denn darauf antworten sollen."

Er: "Bitte fahr nicht, bitte bleib."

Aber Dein Ego wollte Dich beschützen, weil es die Erfahrung gemacht hat, abgelehnt zu werden, sobald Du bedürftig ist - Dinge verlangst, also hielt es Dich davon ab. Mehr noch, es hat Dir signalisiert, er könne ja, wenn Du ihm wirklich wichtig seist zwischen den Zeilen lesen. Weil er das nicht tat, wurde Dein Ego bestätigt, zweimal. Niemand sieht Dich, Du willst zu viel, du bist ihm nicht so wichtig.


3. ...anderer Meinung ist, unabhängig vom Thema.

Lana: "Wie nervig Mareike heute wieder war."

Alexa: "Fandest Du? Ich konnte ihr Dilemma echt gut verstehen."

(EGO: Du bist schon wieder falsch. Jetzt wolltest Du gehässig über Mareike lästern und Alexa ist ein viel besserer Mensch als Du. Sie konnte das verstehen. Du bist doof. Sie wertet Dich voll ab.)

Lana: "Echt jetzt?"

Manchmal sehnt sich Dein Ego nach Anerkennung, Zuwendung, einfach nach einer Bestätigung. Bleibt diese aus, fühlt es sich abgelehnt, selbst wenn es gar nicht um etwas geht, was mit Dir zu tun hat. Wie in diesem Beispiel. Lana ist verletzt, nur weil Alex ihr nicht zustimmt. Sie fühlt sich abgelehnt.

4. ...verletzt ist. Es hört nur die Vorwürfe und ignoriert das Bedürfnis nach Verständnis und Raum.

Wenn Du etwas falsch gemacht hast, oder doof reagiert hast, rate wer sich schützend vor Dich stellst, sobald Du angegriffen wirst. Also zumindest empfindet es Dein Ego als Angriff, auch wenn es gar nicht so gemeint war/ist.

Sie: "Du, Tom, bei Deiner Schwester gerade, ich fühle mich echt unwohl, wenn Du bei ihr über unseren Kinderwunsch sprichst."

(Toms EGO: Schon wieder was falsch gemacht, kannst Du der Dame eigentlich auch irgendwas recht machen? Moment, vielleicht hast Du gar nichts falsch gemacht, sie übertreibt nur! Woher hättest Du das auch bitte wissen sollen, sag ihr das, los!)

Er: Ja, sorry, aber woher hätte ich das wissen sollen? Du übertreibst ohnehin voll.

Das Ego klopft Tom anerkennend auf die Schulter.

Sie: Tom, was? Ich habe doch nur gesagt, dass ich mich dabei unwohl fühle, das war kein Vorwurf, eher eine Bitte. Warum fühlst Du Dich so angegriffen?

(Toms Ego: Oh mann, zack, direkt der nächste Vorwurf, wer fühlt sich denn schnell angegriffen?)

Tom: "Na, das sagt die Richtige!"

Dein Ego hält es nur schwer aus, wenn Du Dich scheinbar falsch verhalten oder einen Fehler gemacht hast. Würdest Du nun die Verantwortung für Dein Verhalten übernehmen und Deinem Gegenüber Raum geben und die Verletzung seiner/ihrerseits anerkennen, müsstest Du Dir ja eingestehen, dass Du einen Fehler gemacht hast. Aber Dein Ego hasst Fehler. Daher macht es auch nie welche, im Sinne von, es unterstellt Dir lieber, das Dinge nicht stimmen, nicht wahr sind.

Was hilft?

Vielleicht ist es Dir schonmal aufgefallen, ich verwende in der Regel mehr Zeit darauf, zur erklären worum es geht, als auf die Lösung. Nicht weil ich mich nicht kurz fassen kann, sondern weil der Verstehen die Lösung ist.

Wenn Du etwas vertieft verstehst, dann begreift es auch Dein Herz, nicht nur Dein Kopf. Vertieft bedeutet vor allem Emotional. Daher nutze ich auch gerne so Beispiele, in der Hoffnung Dich nicht nur kognitiv sondern auch emotional abzuholen, vielleicht hast Du schonmal bei einem Podcast geweint, oder konntest die Wut nachempfinden, fühltest Dich verstanden und konntest Dich selbst besser verstehen, dann konntest Du Dich vielleicht auch selbst besser annehmen. Vielleicht war es erleichternd zu hören, dass Du nicht als Einziger oder Einzige so bist? Vielleicht konntest Du dann einen kleinen Teil, den Du vorher abgelehnt hast sogar akzeptieren, oder bist da noch dran. Und wenn Du etwas akzeptieren kannst, dann darfst Du es annehmen und auch verändern.

Es nutzt Dir also kaum etwas, wenn ich Dir hier sage, wie es geht, zumal ich das immer wieder zwischen den Zeilen getan habe.

Dennoch, um auch Deinen Kopf etwas zu befriedigen, fasse ich es kurz zusammen:

Versuche, auch wenn die Gefühle von Neid, Ablehnung, Versagen ausgelöst werden, nicht in den Ego-Modus zu schalten. Ich habe in dieser Folge versucht, sowohl das EGO greifbar zu machen, als auch die klassischen EGO-Fallen innerhalb einer Partnerschaft. Die Übung von Dr. Nicole Lepra, hilft als Unterstützung, gib Deinem Ego einen Namen und versuche es/ihn/sie im Alltag zu identifizieren, sprich weniger von Dir, viel mehr von Deinem Ego. und versuche so selbst die Kontrolle zu gewinnen. Dein Ego muss/soll ich verschwinden, es will Dich beschützen und klar, hier in diesen Beispielen, kommt es eher negativ weg, aber es hat eine ganz wichtige Funktion. 

Sobald Du Dein Ego kennst und besser zwischen Dir und dem Ego differenzieren kannst, kannst Du selbst entscheiden, ob Du Dich nach Deinem Ego richten möchtest oder nicht.

Bezogen auf die Beispiele:

1. Dein Gegenüber hatte einen tollen Abend, egal ob Du gefragt wurdest oder nicht. Er/sie kommt nun nach Hause, freut sich und möchte Dir dann erzählen. Er sendet somit das klare Signal: Ich möchte mein Glück mit Dir teilen!

Stattdessen tut Dein Ego so, als wärst Du doof, weil er mit Dir nicht so nen tollen Abend hat, was passiert, der jetzige wird auch doof und langfristig, möchte er / sie sich kaum mehr mitteilen, weil von Dir nur negative Reaktionen kommen, sobald es ihm / ihr gut geht.

Autsch!

Also versuche Dein Ego zu besänftigen und freu Dich mit ihr/ihm. Falls Dir das nicht gelingt, sprich es aus: "Immer wenn Du davon berichtest wie lustig ein Abend war, würde ich mich gerne mit Dir freuen, aber ich frage mich immer, ob Du mit mir auch so einen Spaß gehabt hättest und werde ein bisschen neidisch, eifersüchtig, ja fühle mich gar als hätte ich versagt."


2. Durch die Blume formulieren / Gedanken lesen

Hier liegt natürlich noch etwas mehr drunter, nicht zur Last fallen wollen, Schwierigkeiten damit um Hilfe zu bitten. Doch scheinbar scheint Dein Ego hier eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Wenn Du sagst, was Du meinst und willst, dann ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass Du gehört wirst und bekommst, worum Du bittest. Und nebenbei bemerkt, stell Dir mal vor, Du könntest Dich darauf verlassen, dass Menschen meinen und wollen, was sie sagen. Wie viel einfacher wäre Dein Leben, wenn Du aufhören dürftest Dir für alle und jeden Gedanken zu machen, ob das wohl stimmt, was sie wohl meinen, und was sie so wollen und brauchen?

Vertrau mir, sobald Du damit anfängst, wirst Du nicht nur gesehen und gehört, sondern gewinnst selbst das Vertrauen, dass andere meinen, was sie sagen. Aktuell hinterfragst Du vermutlich noch oft, klar, bei Dir ist das auch zwingend erforderlich, denn Du sagst ja auch nicht, was Du wirklich meinst. 

3. Du bist nicht Deine Meinung

Es ist so spannend, wusstest Du das wir echt eine Vielzahl von Bedürfnissen haben, neben den Grundbedürfnissen, die in der Regel bei jedem einer gewissen Priorisierung folgen: Wenn ich hungrig bin, nutzt mir Anerkennung oder Zugehörigkeit oder Selbstverwirklichung recht wenig, dann bedarf es Nahrung. Aber das Bedürfnis nach Wissen steht in der Regel unter dem Bedürfnis nach Anerkennung, damit lässt sich sehr leicht nachvollziehen, warum Meinungsverschiedenheiten oft eskalieren. Beide wollen Anerkennung und Bestätigung für ihre Meinung. Insbesondere, wenn ich mich ohnehin gerade nicht wohl fühle, mich nicht gesehen fühle kann ein ablehnender Kommentar auf meine Meinung richtig weh tun. „Ich liebe den Song, wie findest Du ihn?!“ „Echt? Ich find ihn hohl!“ Autsch. Dabei geht es hier um Geschmack, eine Meinung nicht um richtig oder falsch.  Die Frage jedoch impliziert, dass Du Dich für die Meinung des Anderen interessierst, reagiert der Andere nicht mit Bestätigung, fühlst Du Dich abgelehnt. Aber nur, weil Dein Ego versucht Dich auf unterschiedlichste Arten aufzuwerten… und leider vor allem Ablehnung hört, um Dir wieder eine Aufgabe zu geben: Streng Dich an! Sag dass Du den ja auch hohl findest, aber Dir die Melodie gefällt.

Du sehnst Dich nach Anerkennung und Bestätigung und lässt irgendwas Banales fallen, stimmt Dein Gegenüber Dir nicht zu, suggeriert Dir Dein Ego, dass Du gerade in Gänze abgelehnt wirst. Aber das ist ja gar nicht der Fall! Versuche Dich beim nächsten Mal daran zu erinnern oder, sei sogar so mutig und sprich es aus! 

4. Ist Dein Gegenüber verletzt, fühlt sich Dein Ego bedroht und versucht die Schuld von sich zu weisen. 

Du weißt ja selbst ganz genau, was Du brauchst, wenn Du Dich über Jemanden ärgerst: Verständnis! Doch es ist das Ego, dass „gut“ sein will. Die einfachste und gleichzeitig sehr destruktive Reaktion: Das habe ich so nicht gemeint (Verteidigung) und / oder Angriff: Du bist zu empfindlich! 

Dein Ego ist nicht sonderlich reflektiert, denn eine Verletzung des Anderen durch Dich, bedeutet noch lange nicht, dass Du nicht „gut“ bist, sondern vermutlich hast Du etwas nicht bedacht, es gab ein Missverständnis oder Du hast Dich tatsächlich mies verhalten, aber selbst dann, war es Dein Verhalten, nicht Deine ganze Person. Übernimm die Verantwortung: Das tut mir leid. Ich verstehe Dich, so hätte ich nicht reagieren dürfen. Komm her. 

Daher: Glaube nicht alles was Du denkst und fühlst, gewisse Gedanken und Gefühle kommen von Deinem Ego, einen zerbrechlichen Teil in Dir, das sich und Dich beschützen möchte. Nimm es an die Hand, besänftige es, sei behutsam und lass es nicht vorlaufen, wie ein Elefant im Porzellanladen, der alles und jeden als Gefahr und Angriff sieht und zerstört. 



 
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