Paartherapie & Personzentrierte Beratung (GwG) 
Jennifer Angersbach
Selbstliebe

Das Innere Kind

„Ich hab jetzt angefangen mich mit dem inneren Kind zu beschäftigen!“, erzählt Sabrina ihrer Freundin.

„War das nicht das mit Sonnenkind und Schttenkind und so?“, fragt Kati interessiert nach.“

„Ja, genau! Ich bin jetzt gerade dabei die ganzen Glaubenssätze irgendwie umzuformulieren. Aus ‚Ich bin wertlos!‘ wird ‚Ich bin wertvoll‘!“

Kati muss lachen: „So einfach also!“

Sabrina lacht direkt mit: „Na ja, das braucht ja auch alles seine Zeit. Ich hab auch schon das Sonnenkind gemalt.“

„Erzähl mir vom Sonnenkind!“, fordert Kathi sie interessiert auf.

„Das Sonnenkind lacht viel, es ist stark, unabhängig und voller Zuversicht. Es fühlt sich wohl, freut sich an den kleinen Dingen. Es ist großzügig und hilfsbereit...“, schwärmt Sabrina.

Kati legt den Kopf zur Seite und schaut ihre Freundin schief an: „Aber das bist Du doch alles?!“

Diese Aussage berührt Sabrina sehr, sie ist fast stolz und gleichzeitig so unheimlich traurig und sagt: „Ja, aber so zu sein ist sooo anstrengend! Das ist wie eine Rolle die ich spiele...! Und ich kann einfach nicht mehr. Ich will leben!“ 

Im letzten halben Jahr saßen so viele Sabrinas bei mir in der Praxis. Als Teil des Paares oder in der Lebensberatung. Letzteres wird bei diesem Thema auch immer vor, nach oder während einer Therapie in Anspruch genommen. Ich bin und sehe mich nicht als Psychotherapeutin, ich habe nicht den Anspruch zu heilen. Eine Heilung impliziert das man krank ist. Vielmehr sehe ich, dass die Menschen sich selbst verachten, teilweise so sehr, dass daraus Krankheiten entstehen können oder entstanden sind und Letzteres erfordert in jedem Fall eine psychotherapeutische Hilfe.

Was tue ich also? 

Ich sehe das „innere Kind“! Ich höre es. Ich verstehe es. Etwas, was die Menschen selbst oft nicht tun. Im Gegenteil. Das innere Kind wird verachtet, abgewertet, eingesperrt, wie ein Dämon behandelt: „Wenn es raus käme, ich es sehen und ihm zuhören würde, dann laufe ich Gefahr wieder all das zu erleben, zu fühlen und durch zu machen, was ich in meiner Kindheit durchmachen musste. Damals als ich ausgeliefert war, schwach war, bedürftig war, klein war. Ein Kind war.“

Und dann beschäftigt man sich eben mit dem Schatten- und Sonnenkind. Das Schattenkind muss sterben. Eine harte Aussage! Ja. Daran erkenne ich die große Not. Nicht immer ist diese Aussage so hart, aber in jedem Fall konzentrieren sich die Menschen lieber auf das Sonnenkind. Das Gegenteil. Das fällt vielen leicht... denn nach Außen haben sie schon lange vor der Beschäftigung mit der Thematik angefangen so wie das Sonnenkind zu sein.

Das Schattenkind war nie genug, war schwach und bedürftig.

Und wenn wir dann mal nicht mehr können, mal alleine sind oder etwas passiert ist, dann kommt das Schattenkind hoch, wir schämen uns und wollen diese Traurigkeit und Schwere loswerden. Das Schattenkind soll verschwinden.

Das Problem: Das Schattenkind war und ist ja deswegen so traurig und dunkel, weil es nie gesehen, gehört, verstanden... geliebt wurde. 

Paartherapie

6 Missverständnisse des inneren Kindes

1. Konzentriere Dich auf Dein Sonnenkind. 

Das Sonnenkind war und ist ja nicht schwer zu sehen. Oft wirst Du als Erwachsene - zumindest nach außen - ja genau zu dem Menschen der Du als Kind sein wolltest. Zum Gegenteil des Schattenkindes. Zum Sonnenkind.


2. Dein Inneres Kind ist kein Dämon.

Dein inneres Kind scheint die Ursache Deiner Probleme zu sein: „Es war nie gut genug. Es war anstrengend. Es wollte zu viel.“ DAS war das Gefühl in Deiner Kindheit. Das Problem warst jedoch nicht Du. Nicht das Kind. Sondern es war Deine Umwelt, die Dir das Gefühl vermittelt hat.


3. Meine Eltern sind nicht schuld.

Die logische Konsequenz, meine Eltern haben mich nicht gesehen, mir das Gefühl gegeben, nicht genug zu sein. Sie sind also schuld. Ich kann es aber ja a) nicht ändern und b) sind sie ja jetzt ganz anders. Ich möchte also nicht den Kontakt abbrechen.

Ähm. Es geht nicht zwingend um einen Kontaktabbruch, eine Aussprache, Vorwürfe. 
Es geht einzig und allein darum Mitgefühl für Dich zuzulassen.
Der Enttäuschung Raum zu geben. Dir Raum zu geben. Und das zu tun, was Deinen Eltern nicht möglich war: Dich selbst zu sehen, zu hören und zu verstehen.


4. Meine Eltern sind schuld.

Schuld ist so ein großes Wort. Ich vermeide es von Schuld zu sprechen. Ich finde das Wort „Verantwortung“ sanfter und passender - sofern wir nicht über Misshandlung und Missbrauch sprechen. Deine Eltern hatten Verantwortung für Dich und warum Du Dich nicht gesehen gefühlt hast, hat verschiedene Gründe. Vielleicht hast Du Dich nicht getraut Dich zu zeigen. Wie hätten sie Dich sehen können? Vielleicht haben sie Dir suggeriert, dass Du großartig bist und Du hast ihnen einfach nicht geglaubt und dachtest, Du müsstest ganz viel tun, damit sie nicht merken, dass Du es nicht bist. Vielleicht haben sie ihre Verantwortung nicht übernommen, weil sie es schlichtweg nicht konnten und Du dachtest es liegt an Dir.
Es geht nicht darum „den Bösen“ zu finden, aber oft nimmt man lieber selbst die Schuld auf sich, als sie Anderen zu geben.
Haben wir ja auch so gelernt! „Stell Dich nicht so an!“ „Du nervst“ „Ich kann nicht immer nur für Dich da sein!“ „Du bist selbst Schuld!“
Oft haben wir mehr Verständnis für unsere Eltern, als für uns selbst.


5. Ich bin nicht bedürftig.

Doch, bist Du. Sind wir alle. Wir haben Bedürfnisse. Also sind wir bedürftig.
Haben wir ja auch so gelernt! „Stell Dich nicht so an!“ „Du nervst“ „Ich kann nicht immer nur für Dich da sein!“ „Du bist selbst Schuld!“
Diese Sätze und Andere hast Du so oft gehört und ihnen zu Grunde liegt die Abwertung Deiner Bedürftigkeit. Etwas vollkommen menschliches und natürliches wurde zu etwas schambehaftetem, weil Dir das jahrelang eingeredet wurde und Du hast diese Sätze manifestiert. Dabei ist es doch so schön, für Jemanden da zu sein, zu helfen und Dankbarkeit zu erfahren. 
Bei Letzterem stimmst Du mir vielleicht sogar zu und vielleicht verarchtest Du aber auch mittlerweile bei Anderen ihre Bedürftigkeit.  Weil sie dich an Deine eigene Schwäche erinnert.


6. Vielleicht liegt es doch einfach an mir.

Es gibt so viele Menschen die sich so sehr mit sich selbst beschäftigen, weil sie merken, es muss sich etwas ändern. Sie wollen nur einmal genug sein. Nur einmal richtig lieben. Mit sich ins Reine kommen. 
Sie konsumieren Fachliteratur, folgen Gurus, machen eine Therapie und verzweifeln schlichtweg, zweifeln an sich selbst. Dafurch entsteht noch mehr Frust und noch mehr Abwertung. Nichts geht mehr. Nichts hilft.
„Opferrolle“ „nicht therapiebereit“ „uneinsichtig“ „mangel an Willenskraft“! Das sind die Worte die sie hören und manifestieren. 

Haben wir ja auch so gelernt! „Stell Dich nicht so an!“ „Du nervst“ „Ich kann nicht immer nur für Dich da sein!“ „Du bist selbst Schuld!“
Oft haben wir mehr Verständnis für unsere Eltern, als für uns selbst.


Je schwere es Dir fällt Dich Deinem Schattenkind zuzuwenden, desto größer die Not. Die Angst. Desto mehr Sicherheit bedarf es. Desto mehr Verständnis benötigst Du!

Empathie, Sicherheit & Zuwendung sind die Schlüssel, zu dem Raum, indem Dein inneres Kind eingesperrt wurde - wenn das nicht gegeben ist, kannst Du (mit übermenschlicher Kraft) bis zur Erschöpfung, teils bis zur psychischen Störung daran ziehen.


 
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