Lebensberatung, Paarberatung & Supervision
Jennifer Angersbach

Der Kreislauf des geringen Selbstwertgefühls


Verunsicherung. Scham. Schuld. Sinnlosigkeit. Angst. Das Gefühl nicht genug zu sein, eine Last darzustellen. Das Problem ist man selbst - immer. Es liegt an mir. Misserfolge entstehen durchs eigene Scheitern. 

Wer aber definiert den Erfolg? Und für wen müssen wir genug sein?
Als Kinder bekommen wir im Idealfall ein Urvertrauen mit auf den Weg. Kinder sollten bedingungslos geliebt werden. Egal ob sie brav oder frech sind. Kinder sollten ihre Bedürfnisse ganz selbstverständlich einfordern, je nach Alter müssen sie das sogar um zu überleben. Außerdem brauchen Kinder Feedback. Haben sie etwas gut gemacht, werden sie gelobt. Haben sie etwas nicht geschafft, werden sie dennoch geliebt und ermutigt es noch einmal zu probieren.

 



Doch was ist mit den Kindern die diese selbstverständliche BEDINGUNGSLOSE Liebe nicht kennen? Was wird aus den Kindern die dieses Urvertrauen nicht mit auf den Weg bekommen haben? Was wird aus Ihnen? Aus den kleinen Menschen die ALLES versucht haben und trotzdem nie genug waren. Mit dem Gefühl: „Ich bin es nicht wert geliebt zu werden!“ aufwachsen?


Die Antwort liegt auf der Hand. Sie empfinden sich auch als Erwachsene als Last, als Problem. Sie zweifeln auch wenn sie groß sind an sich selbst und tun alles um geliebt zu werden. Sie wissen selbst nicht warum, geben sich die Schuld und glauben daran, dass es an ihnen liegen muss. Versuchen immer mehr, passen sich an, wollen endlich Erfolg haben, geliebt und gesehen werden und brechen unter dem Druck zusammen und statt korrigierender Erfahrungen werden sie mit Misserfolgen konfrontiert. Diese Misserfolge haben viele Facetten, in Beziehungen, auf der Arbeit. Sie sind anstrengend. Sie klammern. Sie brauchen oft mehr als man ihnen geben kann. Sie sind verbissen oder irgendwann auch einfach müde, faul. 



Ein grausamer Teufelskreis. 


Und natürlich sind es nicht immer schlechte Menschen und natürlich sind es nicht immer die Eltern und natürlich trifft das nicht nur auf diejenigen zu die solche Erfahrungen in der Kindheit erlebt haben. Auch hier gibt es viele Facetten und Abstufungen.


Vielleicht hatte bereits die Mutter ein ähnliches Dilemma und war nicht in der Lage zu lieben. Vielleicht war der Vater psychisch krank. Vielleicht gab es ein einschneidendes Erlebnis, ein Trauma mit dem man allein gelassen wurde. Eine Trennung der Eltern, eine Missbrauchserfahrung, eine vergiftete und ungesunde Beziehung, der Tod eines geliebten Menschen, Mobbing in der Schule... Die Auslöser und Gründe sind zahlreich und vielfältig.

Doch wie kann der Kreislauf durchbrochen werden?

Die Situation scheint oft ausweglos. Und die Schuldfrage drängt sich auf. Aber Anderen die Schuld zu geben hilft nicht. Vielmehr muss man verstehen, dass einen selbst keine Schuld trifft. Erkennen, dass es nicht an einem selbst liegt. Verstehen was da passiert ist und es akzeptieren. Die Not, die Erfahrungen, das Trauma aufarbeiten, im Idealfall behutsam, emphatisch und wertschätzend begleitet. Wenn das gelingt, man das alles versteht und akzeptieren kann, dann folgt die Veränderung.


Die Befreiung.